Kreta Reisebericht – den Südosten entdecken

Hallo liebe Inselfreunde, heute freue ich mich, einen neuen Reisebericht mit Euch zu teilen! Im Herbst konnte ich den Süden der wunderschönen Insel Kreta erkunden! Wir weilten ein paar Tage in Kapetaniana, sind dann weiter in Richtung Osten gezogen und haben ein paar blinde Flecken entlang der fantastischen Südküste erschlossen.

Eine wunderschöne Zeit, von der sich wie folgt berichten lässt.

Die größten Highlights meiner Reisen auf Kreta habe ich Euch auf der folgenden Karte markiert. Tipp: Auf dem Smartphone öffnet sich die Karte mit Klick auf die große Ansicht [ ] direkt in Google Maps.

Ein Video dieser Reise könnt Ihr hier auf YouTube schauen. Lasst gerne ein Like und ein Abo dar!

Tag 1 auf Kreta – Ankunft im Süden – Wo die Stille wohnt

Der Tag des Aufbruchs beginnt zur zivilen, ja, geradezu humanen Uhrzeit. Wir stehen auf und packen die letzten, unverzichtbaren Dinge. Meine Badelatschen finden noch ihren Weg in den Koffer, ebenso wie der Rucksack und eine separate Fototasche für die spontane Pirsch zwischendurch. Dann folgt der obligatorische Akt: das Wiegen des großen Koffers, der stets zur Überladung neigt. 22,4 Kilogramm. Es ist eine Punktlandung.

Leise nehmen wir Abschied von Lokstedt. Der ID7, ein E-Fahrzeug, gleitet fast lautlos zum Flughafen. Der Self-Check-in am Terminal ist unkompliziert. Kurz darauf folgt die Visite auf der Aussichtsplattform, von der unser Blick über die Start- und Landebahn schweift.

Der erste Flug, der kurze Hüpfer nach Zürich, ist erwartungsgemäß voll ausgebucht. Am Schalter entbrennt die übliche Diskussion ums Gepäck: Die Richtlinien sind glasklar, dennoch versuchen einige Reisende mit Trolli und Rucksack, die Grenzen auszureizen, als stünden sie zum ersten Mal vor einem Gate. Ich finde meinen Platz alleine am Notausgang (erst ab 16 freigegeben). Neben mir sitzt ein älterer Herr mit ausladendem Bauch, der die gesamte Flugdauer damit verbringt, konzentriert Tetris zu spielen. Ich entziehe mich der Szenerie mit Musik und der Lektüre von The End, Teil 3. Die Piloten sind die Ruhe selbst; sie setzen zur Landung an – mit geöffneter Cockpittür und einem fantastischen Blick auf das Alpenpanorama.

In Zürich schlägt die Realität zu: Die Verpflegung ist gnadenlos überteuert. Alles kostet pauschal um die zwanzig Euro, selbst ein schneller Burger King Snack. Wir suchen uns in der großen Halle einen Platz mit guter Aussicht. Schließlich wird unser Gate ausgerufen. Auffallend ist die Akustik am Flughafen Zürich: Erst spielt leise Chillout-Lo-Fi-Musik, die am Gate von entspannter Klaviermusik abgelöst wird. Kein Wunder, dass manche Passagiere hier ausgestreckt liegen und friedlich schlummern.

Der Flieger nach Kreta ist angenehm halb leer. Ich sitze wieder solo in der Notausgangreihe, meine Mädels in der Reihe davor. Ich döse zu den Klängen von Nightmares on Wax. Überraschend wird eine Mahlzeit serviert: Nudelsalat, Kuchen und ein wirklich gutes Brot mit Butter. Draußen zieht der Blick über die Alpen, während zur rechten Seite der Sonnenuntergang beginnt, die Wolken in intensive Rottöne zu tauchen.

Landung in Heraklion und die Fahrt ins Ungewisse

Der Airport Heraklion präsentiert sich überraschend überschaubar, lediglich vier Gepäckbänder in einem kompakten Terminal. Um keine Zeit zu verlieren, teilen wir uns auf: Ich begebe mich direkt zum Mietwagenschalter, die Mädels warten auf die Koffer. Am Schalter von Alamo treffen wir auf außerordentlich sympathische Menschen, die nicht wenig erstaunt sind, als sie unser Ziel hören: Kapetaniana. Sie fragen neugierig, woher uns dieser abgelegene Ort bekannt sei – ein vielversprechendes Zeichen für seine Schönheit.

Das Übergabeprotokoll des kleinen Suzuki leuchtet vor eingetragenen Vorschäden. Das Fahrzeug ist äußerlich arg mitgenommen, erweist sich aber als gutmütiger, robuster Begleiter.

Auf geht es in die Dunkelheit. Zunächst führt uns ein kurzes Stück über die Autobahn. Wir nehmen jedoch eine Abfahrt zu früh und finden uns prompt mitten im Gewusel der Stadt wieder. Die Verwirrung währt kurz, denn wir entdecken sogleich offene Supermärkte. Zeit für eine erste kretische Proviantierung: Bier, Brot, Wasser, Tomaten, Orangen, dazu Oregano und Käse. Die freundliche Kassiererin spricht jedes Wort betont langsam aus, während ich versuche, ihre Aussprache zu imitieren: „Manderiniana- Orange, Melo – Apfel.“

Bald wird die Straße stockdunkel. Die Beleuchtung scheint ein optionales Luxusgut zu sein – wozu Straßenlaternen, wenn die Autos doch Licht haben? Wir tasten uns über die Straße 97 in Richtung Süden und folgen einem Einheimischen, der unser eher gemächliches Tempo teilt. Schließlich geht der Weg in steile Serpentinen über, wir erkämpfen uns den Berg hinauf.

Glücklich erreichen wir unser Ziel: Kapetaniana, eine kleine, gepflegte Ortschaft mit einer extrem steilen Zufahrtsstraße. Nach kurzem Suchen finden wir die Rezeption. Wir zögern einen Moment: Laute griechische Unterhaltungen, untermalt von ausgelassenem Lachen, hallen uns entgegen.

Wir werden überaus herzlich begrüßt und nehmen kurz am knisternden Kamin Platz. Nach einer Flasche Wasser wird uns unser Quartier gezeigt: Ein altes, behutsam renoviertes Steinhaus, das mit schweren, antiken Holzmöbeln eingerichtet ist. Das Bett ist komfortabel. Einen Balkon, den wir von den Fotos kannten, vermissen wir, doch die zugehörige Terrasse ist mehr als nur ein schöner Ersatz.

Hier lassen wir uns nieder und lassen den Tag für eine Stunde ausklingen. Dann geht es in die Betten, wo wir in herrlicher, wohltuender Ruhe in den Schlaf fallen.

Tag 2: Kapetaniana – Bartgeier und galaktische Aussichten im Ökodorf

Mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages erwacht unser kleines Bergdorf zum Leben – ein akustisches Idyll. Das rhythmische Geläut der Glocken von Schafen und Ziegen vermischt sich mit dem geschäftigen Flattern der Schwalben und dem Gezwitscher der Spatzen. Ich nutze die Gunst der Stunde, um auf der Terrasse Tagebuch zu schreiben, während die ersten warmen Strahlen die Haut streicheln.

Ein stärkender Kaffee in der lokalen Bar bildet den Auftakt, bevor wir das eigentliche Frühstück zurück auf unserer Terrasse genießen.

Anschließend unternehmen wir einen Streifzug durch Kapetaniana, das sich als ein liebevoll hergerichtetes, malerisches Dorf präsentiert. Hier stoßen wir auf das Herzstück des Wiederauflebens: das Ökotourismus-Projekt „Thalori“ (was übersetzt „Meer und Berge“ bedeutet). Dieses Konzept hat die einst verlassenen, traditionellen Steinhäuser des Dorfes in authentische Unterkünfte verwandelt und damit die Tradition der Region bewahrt. Anstatt dem Massentourismus zu verfallen, setzt man hier auf die Verbindung von Geschichte, Mythos und wilder Natur. Während Touristen neugierig umherstreifen, gehen die wenigen Bewohner unaufgeregt ihrem Alltag nach. Wir entdecken farbenprächtige Blumen, den Duft wilder Kräuter und die charaktervollen, bröckelnden Fassaden der alten Steinhäuser, die nun neues Leben atmen.

Hoch über uns ziehen majestätische Bartgeier ihre Kreise – ein beeindruckendes Zeichen der unberührten Natur und der Nähe zum Asterousia-Gebirge und dem heiligen Berg Kofinás, der seit der Minoischen Zeit als Kultstätte gilt.

Wir legen einen Halt an einem kleinen Platz ein, der mit einer herrlichen Panoramasicht auf das Libysche Meer aufwartet. Unser Weg führt uns weiter bergauf, bis wir die kleine, zauberhafte Kirche des Ortes erreichen.

Wolkenspiel und kulinarische Urtümlichkeit

Die anfängliche Sonne wird jedoch bald von dichten Wolkenmassen abgelöst, die vom Meer heranziehen und sich hartnäckig über das Bergland legen. Dennoch bleibt Zeit für ein kurzes Bad im Pool. Ich nutze die bewölkte Phase, um mein Buch zu beenden.

Erst am Nachmittag lichten sich die Wolken wieder und ermöglichen eine weitere, ausgiebigere Badesession. Ich lasse die Drohne aufsteigen, um die Szenerie festzuhalten, darunter auch die Schäfchen, die sich langsam den Berg hinauf zu ihrer Tränke begeben.

Den Abend beschließen wir im lokalen Restaurant, das Teil des Thalori-Konzepts ist. Hier werden die Zutaten nicht nur regional bezogen, sondern stammen direkt vom eigenen Bauernhof: Ziege, Hühnchen und Schwein stehen zur Auswahl. Dazu gibt es einen authentischen griechischen Salat und ein urtümliches, herzhaftes Brot. Ein Mahl, das die Einfachheit und Qualität der kretischen Küche zelebriert.

Zurück am Pool, dessen Beleuchtung heute Nacht ausgeschaltet bleibt, zeigt sich der Himmel von seiner spektakulärsten Seite. Ich nutze die dunkle Umgebung fernab jeglicher Lichtverschmutzung und die Stille, um meine Kamera auf die Milchstraße, die Andromedagalaxie und den Schwanennebel auszurichten – ein galaktischer Abschluss für einen Tag voller Ruhe und Entdeckung in diesem traditionellen Refugium.

Tag 3 – Reiten und Galaxien

Mit den ersten Strahlen, die durch unser Schlafzimmerfenster dringen, beginnt ein neuer Tag. Es hält mich nicht im Haus; die morgendliche Stille zieht mich auf die Terrasse der Taverne. Bei einem Milchkaffee beobachte ich, wie das Licht die kargen Felswände zum Leuchten bringt. Wir bleiben direkt sitzen und bestellen das volle Programm: Obst, Rührei, Omelett und frisches Brot mit lokalem Honig und Marmelade. Ein Frühstück bei strahlendem Sonnenaufgang – was für ein Leben.

Unsere Tochter fiebert ihrem Termin zum Reiten entgegen. Den Vormittag verbringen wir daher am Pool. Das Wasser ist empfindlich kalt, doch ein holländischer Gast ruft mir lachend zu: „Coldness is only an emotion!“ Recht hat er. Gegen Mittag bricht die Tochter auf. Wir beobachten von weitem, wie sie über den Hügel in Richtung Bauernhof verschwindet, bis sich die kleine Gruppe aus vier Reitern schließlich in Bewegung setzt.

Auch uns packt die Abenteuerlust. Wir versuchen, uns zum Minimarkt an der Küste durchzuschlagen und biegen auf die Sandpiste links der Ortschaft ab. Die Strecke fordert dem kleinen Suzuki einiges ab: loses Geröll und steile Serpentinen. Nach einer besonders kniffligen Passage zwischen einer grob asphaltierten Kurve und tiefem Schotter halten wir unterhalb eines weithin sichtbaren Sendemastes. Der Ausblick über das unter uns liegende Dorf ist kolossal, fast unwirklich. Doch die Vernunft siegt: Einen Achsenbruch oder einen Platten wollen wir auf dieser Piste nicht riskieren. Wir wenden. Auf dem Rückweg wirken die Felswände und das Gefälle fast noch steiler als beim Aufstieg.

Zurück am Pool ziehen bald wieder dichte Wolken auf, die uns zum Chillen und Lesen zwingen. Erst mit der Rückkehr unserer Tochter kommt auch die Sonne wieder hervor. Sie sprudelt über vor Berichten von ihrem Ritt durch die griechischen Berge. Angeführt wurde die Gruppe von Markus, der in echt kretischer Manier – ohne Helm und mit eigenwilliger Technik – voranritt und zwischendurch an einer Kapelle für eine spontane Siesta in tiefen Schlaf versank.

Später unterhalten wir uns mit einem älteren deutschen Ehepaar. Sie haben das Dorf vor sieben Jahren durch Zufall entdeckt und wundern sich nun fast ein wenig, es prominent im Reiseführer wiederzufinden. Da unsere Vorräte im Haus erschöpft sind, zieht es uns früh zum Essen. Wir bestellen griechischen Salat, Lamm, Bifteki und für Sanne ein vegetarisches Gericht mit grünen Bohnen.

Bevor der Wein fließt, teste ich die Zoomfunktion meines Teleskops für Videoaufnahmen. Die Objektverfolgung funktioniert einwandfrei; ich hole mir die Schafe und den Schäfer von der gegenüberliegenden Talseite direkt auf den Schirm. Nach einer ordentlichen Portion Wein und dem obligatorischen Raki stellt sich tiefe Zufriedenheit ein. Spät in der Nacht begebe ich mich erneut auf die Jagd nach Himmelskörpern. Ein Komet zeigt sich leider kamerascheu und auch der Neptun erweist sich als zu kleiner Lichtpunkt für mein Setup. Der North American Nebula und die Milchstraße hingegen entschädigen für alles – sie füllen das gesamte Motiv prachtvoll aus.

Tag 4: Von Phaistos und Hippie-Träumen in Matala

Der Morgen beginnt klassisch mit einem Café Latte auf der Thalori-Terrasse, gefolgt von einem Omelett, während die Sonne sich langsam über die Bergkante schiebt. Wir brechen früh auf, das Auto bepackt für alle Eventualitäten. Die steilen Serpentinen von Kapetaniana hinab in die Messara-Ebene fordern Konzentration, belohnen aber mit einem Panorama über schier endlose Olivenhaine. Unten angekommen, wirkt die gerade verlaufende Hauptstraße fast ungewohnt. Nach einem kurzen Stopp bei einem Bäcker – das helle Weißbrot mit Sesam ist eine kleine Offenbarung – erreichen wir nach etwa 45 Minuten Phaistos.

Der zweitgrößte minoische Palast Kretas empfängt uns mit einem noch fast leeren Parkplatz. Die 15 Euro Eintritt pro Person sind ambitioniert, doch immerhin darf unsere Tochter die historische Stätte gratis erkunden. Im Gegensatz zum rekonstruierten Knossos besticht Phaistos durch seine Authentizität; hier wurden die Ruinen weitgehend so belassen, wie sie gefunden wurden. Wir steigen steile Treppen hinab auf den weitläufigen Westhof, um den sich labyrinthartige Lagerräume gruppieren. Hier wurde einst der berühmte Diskos von Phaistos gefunden, dessen rätselhafte Schriftzeichen bis heute kein Linguist sicher entziffern konnte.

Wir passieren den mutmaßlichen Thronsaal und die königlichen Gemächer. Überall suchen wir nach Spuren der minoischen Kultur; Schmetterlinge, Symbole der Erneuerung, sollen hier verewigt sein. Vieles über die Minoer bleibt jedoch Spekulation, da wir ihre Linear-A-Schrift nicht lesen können – eine faszinierende Mischung aus Archäologie und Mythos. Nachdem wir die Anlage erkundet haben, lasse ich die Drohne in sicherem Abstand steigen, um die strategisch brillante Lage des Palastes über der Ebene festzuhalten.

Nur fünfzehn Minuten später erreichen wir Matala. Das ehemalige Hippie-Refugium empfängt uns mit einer Explosion aus Farben: bemalte Straßen, ein bunt verzierter VW-Käfer und unzählige Shops, die das Erbe der 60er Jahre vermarkten, als Cat Stevens und Joni Mitchell hier noch in den Höhlen lebten. „Today is life, tomorrow never comes“ prangt als Motto über der Bucht. Am zentralen Platz finden wir einen Pita-Laden und genießen eine vorzügliche Gyros-Pita, bevor wir die Promenade entlangschlendern.

Der Blick über den Strand auf die legendären, in den hellen Sandstein gehauenen Höhlen ist monumental. Ursprünglich dienten sie in römischer Zeit als Grabstätten, bevor sie in den 1960ern zum Sehnsuchtsort der Blumenkinder wurden. Bei Windstille und purem Sonnenschein lassen wir uns am Meer nieder. Das Wasser ist angenehm temperiert, der Einstieg über die Kiesel jedoch mühsam – die Brandung lässt die Steine lautstark rascheln. Lene und ich schnorcheln hinüber zu einer Felsenhöhle an der rechten Flanke der Bucht. Die Unterwasserwelt ist überraschend lebendig: Brassen, Barsche und ein mysteriöser Fisch mit gelben Flecken ziehen an uns vorbei. Während wir die Lichtspiele im Wasser genießen, stürzen sich mutige Jugendliche von den Felsen über uns ins tiefe Blau.

Matala Kreta

Auf dem Rückweg legen wir einen Zwischenstopp in Gortys ein, der einstigen römischen Hauptstadt Kretas. Wir besichtigen die Titus-Basilika und das Odeon mit dem berühmten Stadtrecht-Kodex, der ältesten Gesetzessammlung Europas, die in riesige Steinblöcke gemeißelt wurde. Die weitere Wegeführung zu den Thermen oder dem Apollo-Tempel bleibt jedoch ein römisches Rätsel.

Nach einem schnellen Einkauf – wir ergattern fantastischen lokalen Feta – endet der Tag kulinarisch schlicht mit einer großen Portion Nudeln im Steinhaus. Den Abend verbringen wir mit einer Partie Skyjo. Da dichte Wolken den Blick auf die Andromeda-Galaxie versperren, löschen wir früh das Licht und sinken gegen halb zehn in den Schlaf.

Tag 5: Pool-Idyll und ein Abschied mit griechischer Lebensfreude

Ein neuerlicher Sonnenaufgang links über dem Berg kündigt einen makellosen Tag an. Das Licht ist von jener Klarheit, die man wohl nur hier oben in den Asterousia-Bergen findet. Unsere Tochter drängt bereits früh auf ein Frühstück, denn sie ist erneut zum Reiten verabredet – diesmal steht der Ausritt zeitig an.

Wir werfen den Sandwich-Maker an und verarbeiten unsere Vorräte vom Vortag zu köstlichen, warmen Snacks. Danach ist Entspannung das oberste Gebot. Wir beziehen Stellung auf der Aussichtsterrasse, bis der Pool endgültig ruft. Die Sonne brennt heute mit einer solchen Intensität vom wolkenlosen Himmel, dass wir uns sogar einen Sonnenschirm aus dem Abstellraum organisieren. Wir genießen die Stunden auf den Liegen, während ein paar englische Ladies mit ihren lebhaften Unterhaltungen für eine fast mondäne Geräuschkulisse sorgen.

Mittags kehrt Lene zurück, beseelt von einem weiteren tollen Reiterlebnis in der wilden Berglandschaft. Wir schnabulieren einige Snacks und dehnen den Badetag bis in den späten Nachmittag aus. Nach und nach füllt sich das Areal mit einer sympathischen, internationalen Mischung: eine deutsche Familie hier, ein französisches Paar dort – allesamt Menschen, die die Abgeschiedenheit von Kapetaniana zu schätzen wissen.

Ein kleiner technischer Erfolg versüßt mir den Nachmittag: Mit der Objektverfolgung meines kleinen Teleskops gelingt mir ein Video der Gänsegeier, die hier ständig majestätisch über den Felswänden kreisen. Die Optik ist wirklich stark. Weniger erfreulich ist der Zustand meiner GoPro. Sie scheint einen Wasserschaden erlitten zu haben, der vermutlich gestern beim Schnorcheln in Matala entstanden ist. Feuchtigkeit im Gehäuse, nichts geht mehr – eine herbe Enttäuschung für die restliche Dokumentation.

Nach einem kurzen Apéro mit Bier und Wein machen wir uns auf den Weg zu unserem Abschiedsdinner im Restaurant. Dort herrscht heute ein ungewohntes Treiben. Eine größere Festgesellschaft ist eingetroffen, offenbar im Zusammenhang mit einem im Dorf angekündigten Begräbnis. Die Ruhe des sonst so andächtigen Gastraums ist verflogen; besonders die griechischen Kinder demonstrieren eine beeindruckende Lautstärke. Es ist jedoch ein faszinierender Einblick in das authentische Dorfleben, in dem Trauer und Gemeinschaft oft fließend ineinander übergehen.

Wir schmausen uns ein letztes Mal durch die kretische Karte: Griechischer Salat, Grillgemüse, Tintenfisch, Hühnchen und die obligatorische Ziege. Alles schmeckt exzellent. Mit vollem Bauch und einer gewissen Wehmut fange ich ein neues Buch an – die Collector-Serie, Band eins –, während wir den letzten Abend in dieser besonderen Stille ausklingen lassen.

Tag 6: Abschied von den Bergen und Ankunft am libyschen Meer

Abschied liegt in der Luft, heute begleitet von schwerem Kaminrauch, der die ganze Nacht über in unser Schlafzimmer zog und mich zeitweise unter die Bettdecke zwang. Da die Uhren auf Winterzeit umgestellt wurden, erwache ich bereits um 6:30 Uhr. Der Sonnenaufgang präsentiert sich heute dramatisch mit dichten Wolken am Horizont. Ich nutze die Gunst der Stunde, montiere mein Mikrofon und filme die Schafherden, die blökend durch das Tal ziehen. Die junge Griechin an der Bar kredenzt mir einen starken Kaffee und klärt ein kleines Missverständnis auf: Unser Haus heißt nicht Eugenia, sondern Evgenia – mit weichem G und einem deutlichen F-Laut in der Mitte. Bevor wir fahren, gelingt mir noch die Aufnahme des Hirten bei der Fütterung seiner Tiere – alles im Kasten.

Nach einem letzten Frühstück mit Sandwiches, Tomaten und Feta packen wir unsere sieben Sachen. Im Restaurant herrscht aufgrund der vielen griechischen Wochenendgäste Hochbetrieb, sodass wir einen Moment auf die Rechnung warten. Die Preise sind mehr als fair: 200 Euro für die Reitausflüge und 300 Euro für sämtliche Mahlzeiten und Getränke der letzten Tage. Zum Abschied werden wir mit zwei Gläsern Honig und einem Liter Olivenöl aus eigener Herstellung beschenkt. Wir verabschieden uns schweren Herzens, aber sehr herzlich von Kapetaniana und dem Thalori Resort.

On the road again. Wir winden uns die Serpentinen hinab und steuern Richtung Osten. Die Strecke führt uns zunächst durch ein schier endloses Tal voller Olivenbäume, das nur gelegentlich von kleinen Dörfern unterbrochen wird. Als die Straße wieder ins Gebirge ansteigt, halten wir an einem Aussichtspunkt. Wieder kreisen Geier über uns. Während ich die Drohne starte, entdecken die Mädels tatsächlich eines der Nester in den Felswänden. Sofort kommt das Miniteleskop zum Einsatz, um diese seltenen Einblicke festzuhalten.

In Myrtos erreichen wir wieder die Küste. Das Städtchen ist ein Blickfang: Die Hauptstraße wird von leuchtend pinken Bougainvilleen gesäumt, die Promenade ist eine einzige Aneinanderreihung einladender Cafés und Restaurants. Hier herrscht das Prinzip der kostenlosen Liegen für Restaurantkunden – ein Konzept, das aufgeht. Da wir keine Gyros-Pita finden, lassen wir uns im Restaurant Thalassa nieder. Leider enttäuscht das Fleisch bei Gyros und Souvlaki; es ist zäh und von schlechter Qualität. Das Beste an der Mahlzeit ist die Wassermelone zum Nachtisch, die zuckrig-süß und saftig ist.

Unsere Weiterreise führt uns durch ein riesiges Netz aus Gewächshäusern – das Zentrum des kretischen Gemüseanbaus. Ierapetra lassen wir für heute links liegen und biegen am Ende von Ferma in eine kleine Stichstraße ein. Wir erreichen die Ferma-Solaris Appartment-Anlage, unser neues Zuhause für die nächsten Tage. Die Umgebung ist von Brandspuren gezeichnet; überall stehen verkohlte Olivenbäume als stumme Zeugen eines kürzlichen Feuers.

Doch der Blick von unserem Apartment entschädigt für alles: Wir thronen direkt über dem Meer, das Panorama ist spektakulär. Die Wohnung ist sauber und die Betten sind gemütlich – nur die Toilette entpuppt sich als architektonische Fehlkonstruktion, die für Menschen über 1,80 Meter eine echte Herausforderung darstellt.

Den späten Nachmittag verbringen wir am nahen Avra Palm Beach. Das Wasser ist glasklar, der Strand weitläufig und perfekt zum Entspannen. Nach einer Drohnenrunde über der Bucht decken wir uns im Astron-Markt mit frischem Feta, Oliven und den nötigsten Basics ein. Während die Sonne langsam im Meer versinkt, begrüßen uns die ersten kretischen Mücken an der Ostküste.

Tag 7 – Ein Tag zwischen trockenen Wasserfällen und belebenden Fluten

Die Zeitumstellung hat unseren Rhythmus kaum beeinflusst; da die Sonne nun früher untergeht, behalten wir das frühe Aufstehen bei. Um 6:30 Uhr stehe ich auf dem Balkon und inhaliere das Panorama. Zur Linken schiebt sich die Sonne über die Baumwipfel, auch wenn der Himmel sich heute eher wolkenverhangen zeigt. Ein Frühstück aus getoastetem Baguette, Rührei, Tomaten und Feta bildet die Basis für den Tag.

Unser Ziel ist der Milonas-Wasserfall. Nach einer Fahrt über steinige Pisten finden wir den Einstieg zum Wanderweg, wo uns ein Schild unmissverständlich darauf hinweist, dass das Jagen hier streng untersagt ist. Endaxi, daran werden wir uns halten. Der Pfad windet sich zunächst steil bergan und bietet spektakuläre Ausblicke über das Tal und die Schlucht bis hinunter zum Meer. Inmitten der kargen Landschaft leuchten immer wieder sattgrüne Bäume auf.

Nach einer guten halben Stunde flacht der Weg ab. Er folgt nun einem alten Bewässerungskanal, in dem wir teilweise wandern – ein Erlebnis, das lebhaft an die Levadas auf Madeira erinnert. Hinter der letzten Biegung erreichen wir die Zielgerade. Zwar ist der Wasserfall zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet, doch die mächtige, farbintensive Felswand mit ihren dicken Kalkablagerungen ist auch ohne fließendes Wasser eine beeindruckende Erscheinung. Ich nehme mir Zeit für Fotos und lasse die Drohne steigen, um die vertikalen Dimensionen einzufangen.

Auf dem Rückweg belohnen wir uns in einer Taverne mit Gyros Pita und Pizza. Bevor es zurückgeht, decken wir uns im Kalimera Market mit Brot und Salat ein. Der Besitzer ist ausgesprochen sympathisch und scheint vor allem von der Gästen des gegenüberliegenden Hotels zu leben. Für das Abendessen sichern wir uns Spaghetti und gefrorene Hackbällchen. Mein persönlicher kleiner Triumph: Ich habe in der Taverne endlich das Wort für Sprudelwasser entziffert – Anthrakoucho Nero.

Den Mittag verbringen wir lesend am Apartment, den weiten Blick stets vor Augen. Später erkunden wir den kleinen Hausstrand direkt unterhalb der Anlage. Der Weg führt über steile, in den Fels gehauene Treppen vorbei an verkohlten Stämmen. Unsere Gastgeberin Evangelia erzählte uns, dass es hier erst im Juli gebrannt hat. Die Solaris-Anlage blieb nur verschont, weil die Feuerwehr sie zufällig kurz zuvor als Stützpunkt ausgewählt hatte.

Unten angekommen, erwartet uns eine schmale Bucht mit gewaltigen, herabgestürzten Felsbrocken. Ein etwas mulmiges Gefühl schwingt mit, wenn man zu den instabil wirkenden Wänden hinaufschaut, doch ich lasse mir vor meiner Tochter nichts anmerken, behalte jedoch die steilen Klippen im Blick. Wir stürzen uns in die Fluten, schnorcheln eine Runde und beobachten das Spiel der Fische über dem Meeresgrund, der im Rhythmus der Wellen zu tanzen scheint. Ich nutze die Gelegenheit für einige Audioaufnahmen der Brandung.

Zum Sonnenuntergang bricht das Licht zwar noch einmal unter der Wolkendecke hervor, das erhoffte Farbspektakel bleibt jedoch aus. Wir beschließen den Tag bodenständig mit einem griechischen Salat, den wir kreativ mit Mini-Wini-Würstchen ergänzen – eine kulinarische Brücke zwischen den Welten.

Tag 8: Ochi-Tag, Aktiengewinne und der perfekte Strand

Heute ist der Ochi-Tag, einer der wichtigsten griechischen Nationalfeiertage. Am Horizont hängen dichte Wolken, durch die sich eine blasse Sonne nur mühsam ihren Weg bahnt. Ich genieße die morgendliche Stille auf unserem Balkon bei einem heißen Kaffee. Nach einem bodenständigen Frühstück aus Toast, Feta und Müsli widmen wir uns der Entspannung, lesen und wechseln schließlich an den Pool der Anlage. Dieser ist mit 2,60 Metern Tiefe überraschend geräumig und – im Vergleich zum Eisbad in Kapetaniana – fast schon wohlig warm. Während ich mit meiner Tochter Ball spiele, liefert die niedrige Pinie an unserer Liege ein paar unsanfte Erinnerungen an meine Körpergröße.

Exkurs: Der Ochi-Tag – Das griechische „Nein“

Der 28. Oktober ist für die Griechen weit mehr als ein gewöhnlicher Nationalfeiertag. Er erinnert an den 28. Oktober 1940, als der italienische Diktator Benito Mussolini dem griechischen Premierminister Ioannis Metaxas ein Ultimatum stellte: Griechenland sollte den Achsenmächten den Einzug erlauben und strategisch wichtige Punkte besetzen lassen. Die Legende besagt, dass Metaxas lediglich mit einem einzigen, stolzen Wort antwortete: „Ochi!“ (Nein!).

Dieses „Nein“ markierte den Eintritt Griechenlands in den Zweiten Weltkrieg an der Seite der Alliierten. Der Tag symbolisiert bis heute den nationalen Zusammenhalt und den Widerstand gegen Unterdrückung. Überall auf der Insel und im ganzen Land wehen die blau-weißen Flaggen. Es gibt feierliche Militärparaden in den Großstädten, während in den Dörfern meist Schülerumzüge in traditionellen Trachten stattfinden. Es ist ein Tag des Stolzes, an dem das normale Leben weitgehend ruht und die Gemeinschaft – oft bei einem ausgiebigen Essen – im Mittelpunkt steht.

Die digitale Welt meint es heute gut mit mir: Meine Aktien laufen hervorragend, besonders die PayPal-Calls mit einem Plus von siebzig Prozent sorgen für gute Laune im Urlaubsbudget. Mittags stehen wieder Spaghetti mit Hackbällchen auf dem Plan – einfach, aber wirkungsvoll.

Am Nachmittag lockt uns die Neugier an den nahegelegenen Ferma Beach. Die Fahrt dauert keine fünf Minuten. Der Zugang führt durch eine spektakulär gelegene Taverne, die einen fast magischen Blick über die Küste freigibt. Tief in die Felsen eingeschnitten liegt der Strand dort windgeschützt unter uns: feiner Sand, sanfte Brandung und kristallklares Wasser. Gut befestigte Treppen führen uns hinunter in diese kleine Idylle. In der Felswand zur Linken lassen sich sogar einige Höhlen ausmachen.

Wir schlagen unser Lager auf und stürzen uns in die angenehmen Fluten. An den Felsen lässt sich eine Seeschwalbe beobachten, die im Tiefflug die Wasseroberfläche taxiert und sich im Sturzflug auf kleine Fische stürzt – ein Naturdrama aus nächster Nähe. Beim Schnorcheln entpuppt sich der Spot als Volltreffer. Etwa zwanzig Meter vom Ufer entfernt liegen große Felsblöcke im Wasser, um die sich Schwärme von Brassen und bunt schimmernden Barschen tummeln. Dieser Strand ist für uns nahezu perfekt: sandig, ruhig und unter Wasser lebendig.

Erst als die Sonne tief über der rechten Felswand steht, brechen wir auf. Ein kurzer Stopp im Astron Market bei dem stoisch gelassenen Betreiber füllt unsere Vorräte auf: zwei Sorten des exzellenten lokalen Fetas, Tomaten, Paprika und Wasser.

Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir unser Apartment und lassen die Abendstimmung wirken. Das Abendessen findet heute spät statt: griechischer Salat begleitet von Sesambrötchen, die eine so dominante Kardamom-Note haben, dass sie bei unserer Tochter auf wenig Gegenliebe stoßen. Nach der obligatorischen Runde Skyjo versuche ich noch, die schmale Mondsichel über dem libyschen Meer fotografisch einzufangen – der Erfolg bleibt heute allerdings eher bescheiden.

Tag 9: Türkisblaue Buchten und der raue Wind des Ostens

Der Morgen empfängt uns mit einem makellos klaren Himmel. Schon während die Sonne über den Horizont steigt, deutet sich an, dass uns ein heißer Tag bevorsteht. Nach einem üppigen Frühstück zieht es uns weiter gen Osten; wir wollen die Küstenabschnitte jenseits von Ferma erkunden.

Unser erstes Ziel ist der Strand von Maheridi. Wir verlassen die Hauptstraße, die hier merklich gepflegter wirkt, und steuern einen kleinen Schotterplatz an. Er ist gesäumt von sonnengezeichneten, niedrigen Bäumen, deren Rinde sich bereits in borkigen Streifen schält – ein Zeugnis der unnachgiebigen kretischen Sonne. Während wir dem Pfad folgen, erhaschen wir erste Blicke auf die halbrunde Bucht: glitzerndes, tiefblaues Wasser inmitten einer zerklüfteten Felslandschaft. Unser Sonnenschirm wird jedoch schnell zum Opfer des auffrischenden Windes, der heute mit heftigen Böen über die Küste fegt.

Ein erstes Bad im Meer offenbart die Charakteristik dieses Ortes: Die schroffen Felsen setzen sich unter der Wasseroberfläche fort. Das Wasser ist hier merklich kühler, aber trotz des Wellengangs von einer absoluten Klarheit. Beim Schnorcheln entlang der rechten Felswand entdecken wir zahlreiche Fischschwärme, darunter die eleganten Pfeilfische, die hier fast wie silberne Nadeln durch das Blau gleiten. An Land versuche ich, das leise Plätschern der Wellen akustisch einzufangen, doch der Wind macht jedes feinsinnige Audio-Underfangen zunichte. Mahéridie scheint zudem ein inoffizielles FKK-Revier zu sein; eine nackte Badende genießt die Einsamkeit am linken Ufer, während im flachen Wasser ein aufrechter, kunstvoller Steinturm der Brandung trotzt.

Nach etwa zwei Stunden füllt sich die Bucht, und wir wechseln zum nahegelegenen Achlía Beach. Eine gut ausgebaute Straße führt hinunter zu einem weiten Strand, der von charmanten Apartments eingerahmt wird. Das Wasser leuchtet hier in einem fast unwirklichen Türkis und ist spürbar wärmer. Wir beobachten eine Gruppe Motorradfahrer, die vor der leider verschlossenen Taverne beratschlagen. Auch uns hält es nicht lange, denn der Hunger meldet sich zu Wort.

In der Taverne Steki finden wir schließlich kulinarisches Glück. Während die Damen bei der bewährten Pita bleiben, entscheide ich mich für Stifado. Das traditionelle griechische Gulasch kommt zwar etwas spartanisch daher, überzeugt aber durch sein tiefes Aroma. Ein anschließender Stopp beim Bäcker sichert uns Vorräte: Brot, eine Zimtschnecke und herzhafte Spinatküchlein wandern in die Tasche.

Da der Wind weiter auffrischt, verlegen wir den Rest des Nachmittags an unseren Pool. Während die Mädels die pralle Sonne genießen, ziehe ich den kühlen Schatten für meine Lektüre vor. Der Tag endet mit einem spektakulären Sonnenuntergang, doch die Idylle bekommt einen kleinen Riss: Bei der Zubereitung des Tomatensalats schneide ich mir tief in den Finger. Die Blutung ist hartnäckig, und zu unserem Erstaunen müssen wir feststellen, dass weder im Apartment noch im Mietwagen ein Erste-Hilfe-Kasten aufzutreiben ist – ein kleiner, schmerzhafter Reminder an die kretische Improvisationskunst.

Tag 10: Palmenrauschen und venezianischer Charme im Osten

Der Wind hat sich gelegt, und ein strahlender Tag erwacht über dem Libyschen Meer. Während des Frühstücks klopft die Realität an unsere Tür: Unser Nachbar, der einzige andere Gast der Anlage, leidet unter einem so verspannten Nacken, dass er sich kaum rühren kann. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er Pharma-Referent aus Berlin ist und ich ihm nun mit Ibuprofen aushelfen darf – eine kleine Form der Nachbarschaftshilfe unter Reisenden.

Nach Müsli und Toast brechen wir zu unserer bisher längsten Etappe auf: dem legendären Palmenstrand von Vai. Die Route führt uns zunächst an der Küste entlang, bevor sie nach Norden in ein Labyrinth aus engen Serpentinen und dichten Olivenhainen abbiegt. Schließlich weitet sich der Blick und gibt das magische Panorama über das „Tal der Toten“ bei Kato Zakros frei. Wir passieren Sitia und fahren durch das gescheiterte Bauprojekt Dionysos – eine Geisterstadt aus den frühen 2000ern, die mit ihrem vermüllten Strand einen seltsam morbiden Charme versprüht. In einer Apotheke kurz vor unserem Ziel erstehe ich endlich Antiseptikum und ein wasserfestes Sprühpflaster für meinen lädierten Finger.

Dann tauchen sie auf: die Palmen von Vai. Der Hain erstreckt sich hunderte Meter weit ins Hinterland. Auf dem Parkplatz sind wir die Ersten; das Kassenhaus ist bereits im Winterschlaf. Wir folgen einem Pfad durch das Dickicht und landen mitten in den Abbauarbeiten für die Saison. Die Strandbar wird winterfest gemacht, doch die Natur kümmert das wenig. Das Wasser leuchtet in einem einladenden Türkis, der Sand ist weich und wird an der Wasserkante von feinem Kies abgelöst. Wir lassen uns direkt im Sand nieder und genießen das Bad in den kühlen Fluten.

Ein Aufstieg zum Aussichtspunkt auf der rechten Felsseite belohnt mit dem klassischen Postkartenmotiv: Palmen und Strand in voller Pracht. Dahinter erstreckt sich ein Gewirr aus dunklen Felsen vulkanischen Ursprungs, das den Blick auf eine weitere, völlig naturbelassene Bucht freigibt. Beim Schnorcheln begegnen uns neben den vertrauten Brassen und Pfeilfischen auch kuriose Exemplare, die an Kugelfische erinnern.

Auf dem Rückweg statten wir Sitia einen Besuch ab. Aus der Ferne wirkt die Stadt klobig und wenig einladend, doch das Zentrum straft den ersten Eindruck lügen. Eine weitläufige Promenade, gesäumt von Cafés und einem gepflegten Park, empfängt uns. An einem Imbiss entdecken wir einen echten Gyrospieß und gönnen uns eine XXL-Pita, die ihren Namen redlich verdient. Frisch gestärkt erklimmen wir die Stufen zur venezianischen Festung Kazarma, die über dem Hafen wacht. In einem kleinen Laden erstehe ich noch lokalen Käse, bevor wir die anstrengende Rückfahrt über die kurvenreichen Bergstraßen antreten.

Zurück in der Solaris-Anlage gebe ich eine kurze Drohnen-Vorführung für unsere Berliner Nachbarn, bevor wir Mailadressen austauschen. Der Abend klingt kulinarisch mit einem hausgemachten Risotto aus, während die Sonne hinter rosa Wolkenschleiern und einer markanten dunklen Schattenwolke im Meer versinkt.

Tag 11: Ein Abschied auf Raten und die Stille der Bucht

Ein ruhiger Morgen bricht an. Über dem spiegelglatten Mittelmeer inszeniert die Natur einen weiteren standesgemäßen Sonnenaufgang. Wir folgen einem Tipp unserer Berliner Nachbarn und erkunden den Hausstrand unmittelbar unterhalb unserer Apartmentanlage. Hier sollen sich angeblich Feuerfische und sogar ein Oktopus in den Felsspalten verbergen.

Wieder steigen wir die steilen, in den Fels gehauenen Stufen hinab und schnorcheln aus der kleinen Bucht in Richtung der offenen See. Die Sicht unter Wasser ist heute phänomenal klar, doch die versprochenen Exoten bleiben im Verborgenen. Stattdessen begleiten uns die vertrauten Schwärme von Brassen und die pfeilschnellen Meeresbewohner durch das Blau. Die absolute Windstille nutze ich für einen weiteren Versuch, das meditative, leise Rauschen der Brandung akustisch einzufangen – mal sehen, ob die Technik dieses feine Flüstern konservieren kann.

Am frühen Mittag zieht es uns zurück an unseren absoluten Favoriten: den Ferma Beach. Ein kurzer Zwischenstopp beim Bäcker sichert uns die nötige Verpflegung; diesmal ist die Auswahl reichlich, und wir ergattern die letzten beiden Sandwiches sowie ein frisches Psomi.

Der Strand enttäuscht uns auch beim heutigen Besuch nicht; im Gegenteil, er wirkt fast noch schöner als beim ersten Mal. Die Wellen rollen sanft aus, und ich nutze die Zeit für ausgiebige Drohnenflüge und Erkundungen entlang der Felsformationen. Während der rechte Abschnitt der Bucht sich immer mehr zum FKK-Spot etabliert, genießen wir das Privileg, diesen nahezu perfekten Sandstrand für uns entdeckt zu haben. Für unsere Tochter ist es ein kleiner Abschied auf Raten: Sie nimmt ein ausgiebiges Bad an diesem speziellen Ort, taucht unermüdlich und versucht mit flinken Händen, die Fische in der Brandung zu fangen.

Zum späten Mittag kehren wir in der Taverne Steki ein. Die Gyros Pita ist gewohnt köstlich, und Sanne gönnt sich dazu einen Cappuccino Freddo. Den Rest des Nachmittags lassen wir entspannt am Pool ausklingen, spielen Ball und verlieren uns in unseren Büchern. Einzig der Sonnenuntergang gibt sich heute bescheiden und verbirgt sich hinter einer dichten Wolkenbank am Horizont.

Tag 12: Kletterpartien und kretischer Minimalismus

Ein dichtes Wolkenband am Horizont kündigt einen eher trüben Tag an; der Sonnenaufgang zur Linken lässt sich heute nur erahnen. Das passt jedoch ganz gut zu unseren Plänen, denn heute steht die Sarakina-Schlucht auf dem Programm. Nach einer Kopfschmerztablette und einem Boxenstopp an einer Eco-Tankstelle (Super für 1,73 €), lassen wir Ierapetra zunächst links liegen und steuern ins Gebirge. Die Landschaft verändert sich: Wir queren Berge, die wie künstlich aufgeschüttet wirken, bevor wir den Einstieg zur Wanderung finden.

Wir folgen einer Levada den Hang hinauf, biegen um eine Ecke und stehen unvermittelt vor einer riesenhaften Felsspalte. Zu beiden Seiten ragen die Wände senkrecht empor. Dazwischen liegt ein Pfad, der diesen Namen eigentlich nicht verdient, da er sofort von massivem Geröll und Felsbrocken versperrt wird. Wir müssen klettern. Die erste Passage meistern wir noch gemeinsam, doch vor der zweiten muss meine Frau kapitulieren. Bei der dritten ziehe auch ich die Grenze der Vernunft. Unsere Tochter hingegen nimmt die Hindernisse mit eleganter Leichtigkeit und kundschaftet den weiteren Weg aus. Während ich warte, fotografiere ich und lasse die Drohne steigen – ein gewagtes Unterfangen, da das Satellitensignal in der engen Spalte kaum durchdringt. Die Google-Rezension, die den Weg als „leicht begehbar“ beschreibt, halten wir nach dieser Erfahrung für eine maßlose Untertreibung. Dennoch: Der Eindruck dieses Naturwunders ist gewaltig.

Auf dem Rückweg halten wir in Ierapetra. Die südlichste Stadt Europas hat sich ihren traditionellen Charakter bewahrt und wirkt angenehm untouristisch. Wir parken an der alten Moschee, spazieren am Napoleonhaus vorbei zum Hafen und besichtigen die venezianische Festung Kales. Sie ist gratis zugänglich, liebevoll restauriert und komplett leer – eine Art historischer Minimalismus, der uns sehr gefällt.

Der Hunger treibt uns in eine kleine Pizzeria, in der ein echtes Holzfeuer brennt. Ein kleiner Familienbetrieb: Während wir die schmackhafte Pizza genießen, beobachten wir, wie der Koch die Bestellungen höchstselbst ausfährt. Weniger charmant verläuft unser letzter Stopp im Astron-Markt. Der sonst so gelassene Chef ist nicht da; stattdessen sitzen die Chefin und zwei grimmige Gestalten an der Kasse und quarzen ihre Zigaretten direkt neben den frischen Tomaten. Ein herber Dämpfer für den bisher so positiven Eindruck dieses Ladens.

Zurück in der Anlage verbringen wir den Nachmittag lesend am Pool. Ein paar Regentropfen fallen auf den staubigen Boden und wirbeln diesen unvergleichlichen Duft nach Sommerregen auf. Für unser Abendessen wählen wir die Taverne Kimeni, nachdem uns die benachbarte Cantina etwas zu improvisiert erschien. Wir werden dort überaus zuvorkommend bedient und ich erweitere meinen Wortschatz um einen wichtigen Begriff: Pentanostimos – sehr köstlich.

Tag 13: Abschied und Aufbruch in den wilden Osten

Der Tag beginnt mit dem unvermeidlichen Packen. Wir nehmen Abschied von der Anlage Solaris, werfen einen letzten Blick auf das glitzernde Meer und genießen einen finalen Sonnenaufgang im Süden. Unsere Route führt uns über Myrtos und Ierapetra hinein in die Berge, wo sich enge Serpentinen mit überraschend geraden Passagen abwechseln. Immer wieder halten wir inne, um die Aussicht festzuhalten und ein letztes Mal gemeinsam zurückzublicken.

Unser erstes Ziel ist Knossos. Der Parkplatz ist bereits gut gefüllt, und wir reihen uns am äußersten Ende der Busspur ein. Dann die große Überraschung: Anstatt der erwarteten hohen Eintrittspreise ist der Zugang heute gratis – an jedem ersten Sonntag zwischen November und April gewährt die Anlage freien Eintritt. Ein echter Glücksgriff! Wir erkunden die weitläufigen Ruinen, die Sir Arthur Evans einst freilegen und teils rekonstruieren ließ. Besonders das Säulenportal mit dem berühmten Stierfresko beeindruckt uns nachhaltig; man spürt förmlich die Geschichte in den alten Thronsälen und Magazinen.

Vom Palast ist es nur ein Katzensprung zum Flughafen von Heraklion. Hier folgt der schwere Teil: der Abschied. Ich begleite meine Frau und meine Tochter zum Check-in und bleibe schließlich alleine im Mietwagen zurück. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit – war die Entscheidung, alleine weiterzuziehen, wirklich richtig?

Die Fahrt Richtung Osten beginnt schleppend. Die zunächst gut ausgebaute Autobahn wird schnell einspurig, und der gewohnt „sportliche“ griechische Fahrstil wird oft durch langsame Pick-ups oder LKWs ausgebremst. Doch hinter Agios Nikolaos wird es ruhiger. Die Straße nach Mochlos belohnt mich mit herrlichen Küstenpanoramen. Besonders idyllisch wirkt das enge Tal von Schinari, wo eine gedrungene orthodoxe Kirche mit ihrem urtümlichen Turm fast unwirklich zwischen den massiven Felsen kauert.

Mochlos selbst entpuppt sich als charmanter Ort. Fischerboote dümpeln im seichten Wasser, und direkt gegenüber liegt eine kleine Insel mit einer leuchtend blauen Kapelle. Erst der Blick durch die Drohne offenbart, dass die Kapelle von den Überresten einer antiken Siedlung umgeben ist. Über weitere Serpentinen erreiche ich Sitia für ein Panoramafoto, bevor ich mich Richtung Vai orientiere. Ein Zwischenstopp in Palaikastro erweist sich als Glückstreffer: In der lokalen Bäckerei bekomme ich alles Nötige für die nächsten Tage – ein alter Reisetipp, der für ganz Griechenland gilt: Wenn die Supermärkte sonntags geschlossen haben, ist der Bäcker die Rettung.

Die letzte Etappe führt mich durch eine magisch-mystische Landschaft aus Olivenhainen und schroffen Gipfeln. Besonders der Ort Adravasti, der wie schwerelos am Berghang klebt, raubt mir fast den Atem. Nach dem quirligen Zakros erreiche ich schließlich glücklich mein Ziel: Kato Zakros. Meine Unterkunft, Chrysantis Haus, ist ein bezauberndes Fischerhaus direkt an der Meeresböschung. Der Abend endet friedlich bei einer Portion Spaghetti und dem Rauschen der Wellen.

Die weiteren Tage: Wilde Einsamkeit in Kato Zakros

Die Symphonie von Kato Zakros und das Erbe der Minoer

Einige neugierige Ziegen haben sich zu meiner Begrüßung am Wegrand eingefunden. Das entfernte, rhythmische Läuten ihrer Glocken untermalt diese Einsamkeit als allgegenwärtige, vertraute Geräuschkulisse – die treibende, archaische Symphonie dieses Ortes.

Kato Zakros wirkt auf den modernen Reisenden wie das verschlafene, friedliche Ende der Welt. Doch für die Minoer war dieser geschützte Flecken Erde vor 3.500 Jahren ein pulsierendes Zentrum des Seehandels. Sie nutzten die flache, vom Wind verschonte Bucht als strategisch unschätzbaren Hafenort – es war ihr stolzes Tor zum Orient, die direkte, lebendige Verbindung nach Ägypten und in den Nahen Osten.

Die freigelegten Ruinen des hiesigen, vierten minoischen Palastes bilden heute einen faszinierenden, beinahe unwirklichen Kontrast zu den schroffen, steil aufragenden Felsmassiven, die das gesamte Tal einrahmen. Während Knossos laute Macht und repräsentative Pracht ausstrahlt, wirkt Zakros wunderbar intim, tief eingebettet in eine gewaltige Naturkulisse. Kostbare Schätze aus Elfenbein, reinem Gold und funkelndem Bergkristall kamen hier unversehrt aus dem Schlamm ans Tageslicht und zeugen von einstigem, enormem Reichtum. Und doch scheint die unerschütterliche Stille der Berge heute jeden menschlichen Stolz wieder vollkommen für sich beansprucht zu haben. Was für ein Ort.

Xerokampos – Das kretische Sardinien

Die eigene Neugier erweist sich stets als der beste Kompass auf Reisen. Ich verlasse Kato Zakros für einen Ausflug in das nahegelegene Xerokampos, in dessen Umgebung einige wunderschöne Strände auf Entdeckung warten. Der Weg dorthin gleicht einer eigenen kleinen Odyssee: Die Straße schraubt sich in engen Serpentinen durch tiefe, schroffe Schluchten, biegt dann sanft über weite Olivenhaine ab und nähert sich schließlich entlang einer weit verzweigten Schlucht dem eigentlichen Ort. Diese einsame, fast asketisch karge Strecke schärft den Blick auf wunderbare Weise für das Wesentliche.

Ich habe mir für den Anfang den hintersten Zipfel dieser hiesigen Buchten vorgenommen, den unberührten Strand Matsida Ammos. Über eine holprige, staubige Geröllpiste erreiche ich diese kleine, versteckte Idylle. Ein großer, vorgelagerter Fels bietet den perfekten Platz, um den Ausblick in seiner ganzen Pracht zu genießen: Glasklares Wasser schimmert in der warmen Nachmittagssonne in allen erdenklichen Türkistönen, umrahmt von einem nahezu leeren Strand.

Nach einem kurzen Moment des Verweilens zieht ein kleinerer Strandabschnitt mit niedrigen Felsen meine Aufmerksamkeit auf sich, an dem ich eben erst vorbeigefahren bin: Paralia Argilos. An diesem friedlichen Ort beschließe ich, mich endgültig niederzulassen. Eine magische Qualität liegt über dieser Bucht; die unberührte Szenerie erinnert mich augenblicklich an die wilden Küsten Sardiniens. Ich lasse die Drohne fliegen, fotografiere die Kontraste, schnorchle durch das klare Nass und genieße ein herrliches Bad. In diesem kostbaren Augenblick reift die Gewissheit: Ich habe meinen ganz persönlichen Strand gefunden. Hierher werde ich in den nächsten Tagen immer wieder voller Vorfreude zurückkehren.

Talismane aus Zakros und das flammende Erwachen

Die Suche nach Verpflegung gestaltet sich im herbstlichen Xerokampos indes schwierig, da aufgrund des nahenden Saisonendes sämtliche Läden ihre Rollläden geschlossen halten. Erst im höher gelegenen Hauptort Zakros führt meine Suche zum Erfolg; dort finde ich drei geöffnete Märkte. In einer der kleinen Gassen stoße ich zudem auf einen wunderbaren, winzigen T-Shirt-Shop, in dem die Besitzerin noch ganz traditionell selber näht und Kleidung bestickt. Spontan bestelle ich Pullover mit alten minoischen Glückssymbolen für meine Mädels daheim – ein Stück echte, kretische Handarbeit als wertvoller Talisman für die Heimreise.

Am nächsten Morgen belohnt mich Kato Zakros mit einem Farbspektakel, das sich mit bloßen Worten kaum beschreiben lässt. Sonne und Wolken malen ein dramatisches, flammendes Farbschauspiel an den weiten Himmel. Ich sitze einfach nur still da, beobachte fasziniert das minütliche Wandeln des Lichts und halte diese Gedanken im Reisetagebuch freudig fest.

Der endgültige Abschied und das Versprechen an die Insel

Echte Reisen verlangen immer auch die Bereitschaft, Abschied zu nehmen – dieses Mal von Kato Zakros, diesem kleinen, magischen Flecken Erde im entfernten Südosten dieser herrlichen Insel Kreta. Ein letzter, wehmütiger Blick streift die steilen, schützenden Hänge, gefolgt von einem finalen Gang durch die silbergrünen Olivenbäume, die hier seit Jahrhunderten Wache halten. Vor mir liegen nun etwa vier Stunden Autofahrt quer über das Eiland zum Flughafen nach Heraklion – Zeit genug, um die Bilder, Gerüche und Begegnungen der letzten Wochen im Geiste noch einmal Revue passieren zu lassen.

Die Ankunft am Terminal bringt einen abrupten Sprung zurück in die raue Realität. Dem immensen modernen Besucheraufkommen zeigt sich das Gebäude an jeder Ecke schlicht nicht mehr gewachsen; die Hallen wirken sichtlich heruntergekommen und überaltert. Diese Überlastung überrascht kaum, wurde diese Anlage einst doch als bescheidener Militärflughafen konzipiert, während heute jährlich Millionen sonnenhungriger Touristen hier abgefertigt werden müssen. Ein neuer, moderner Flughafen in Kastelli wird voraussichtlich im Jahr 2028 den Betrieb aufnehmen und endlich für eine deutliche, dringend nötige Entlastung sorgen.

Während die Triebwerke aufheulen, die Maschine steil abhebt und die schroffen, vom Meer umspülten Umrisse Kretas unter den Wolken immer kleiner werden, weicht die Melancholie einer tiefen Gewissheit. Dieser Abschied bedeutet kein Lebewohl für immer; ich komme auf jeden Fall wieder zurück. Diese gewaltige Insel hat mich mit ihrer ungezähmten Schönheit und ihrer tiefen Seele wieder einmal ganz in ihren Bann gezogen.

Inselheld

Inselfan und Autor dieser Insel-Seite. Jede freie Minute wird der schönsten Nebensache der Welt gewidmet - der Erkundung der schönsten Inseln.

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