Reisebericht: Inselhopping auf den Kykladen – Serifos, Sifnos, Milos

Inselhopping auf den Kykladen – Liebe Inselfreunde, heute m├Âchte ich Euch von meiner letzten Reise berichten, die ich im Herbst 2023 unternehmen konnte. Ich habe mir einen Traum erf├╝llt und war in der griechischen Inselwelt der Kykladen unterwegs. Nachdem ich an anderer Stelle bereits ├╝ber die Reiseplanung berichtet habe, m├Âchte ich Euch nun zeigen, wie diese Reise verlaufen ist. Nur soviel vorab: Wir hatten eine grandiose Zeit und einen der sch├Ânsten Urlaube unseres Lebens. Wir konnten Serifos, Sifnos und Milos f├╝r uns entdecken.

Meine Frau und meine Tochter waren mit dabei, gestartet sind wir ab Hamburg. Viel Spa├č beim Lesen! Kommentiert gerne bei Fragen, ich versuche alles zu beantworten. Los geht’s mit dem Inselhopping auf Serifos, Sifnos und Milos!

Hier kannst Du direkt zum Abschnitt ├╝ber die jeweilige Insel springen:

Serifos
Sifnos
Milos

Tag 1 / 14.10.2023 – Anreise nach Athen

Unser Flug geht am sp├Ąten Nachmittag, daher haben wir den ganzen Tag Zeit zum Packen. Wir haben zwei Koffer gebucht, die wir randvoll packen werden. In die Mitte quetschen wir noch Handt├╝cher, Rucks├Ącke und Jacken.

Schon wieder kursieren Horrorgeschichten von langen Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle, also sind wir zeitig vor Ort. Bereits aus dem Taxi erkennen wir aber, dass bei der Security ├╝berhaupt keine Schlange ist.

Der Self-Check-in funktioniert f├╝r uns nicht, deshalb wechseln wir direkt zum Lufthansa-Schalter, wo eigentlich keine Abfertigung der Economy-Class mehr vorgesehen ist. Der bornierte Herr am Business-Schalter weist herablassend auf das entsprechende Schild ├╝ber sich hin und zwingt uns zu einer Rechtfertigung, wobei meine Frau mir ins Wort f├Ąllt. Es kommt zu einem kurzen Streit, der sich aber bald wieder legt. Danach machen wir einen kurzen Abstecher zur Aussichtsterrasse, wo wir Flugzeuge beim Starten und Landen beobachten.

Die Security passieren wir schnell, obwohl unsere Rucks├Ącke gr├╝ndlich durchsucht werden. Meinen Fotorucksack bezeichnen die Beamten als “Wimmelbild”.

Zu unserem Schrecken werden am Gate 15 Minuten Versp├Ątung angezeigt, die bald auf 30 und schlie├člich auf 45 Minuten anwachsen. Damit bleiben uns nur 5 Minuten Umsteigezeit in M├╝nchen ÔÇô das ist nicht machbar. Meine Frau findet jedoch heraus, dass 30 Personen aus unserem Flugzeug den gleichen Anschlussflug gebucht haben ÔÇô das beruhigt uns etwas, denn Lufthansa wird solch ein Chaos nicht in Kauf nehmen wollen.

Gl├╝cklicherweise erreichen wir noch das Start-Zeitfenster und sind schlie├člich in der Luft. Der Flug nach M├╝nchen verl├Ąuft entspannt und kurz. Beim Aussteigen ist die Stimmung etwas angespannt ÔÇô alle haben es eilig. Da bleibt kaum Zeit, die Sachen im Rucksack zu verstauen. Vermutlich verliere ich bei dieser Gelegenheit meine In-Ear-Kopfh├Ârer, die ich erst k├╝rzlich f├╝r 2,49 ÔéČ bei Temu als Er├Âffnungsangebot erstanden habe.

Am Ausgang erwartet uns eine Mitarbeiterin, die uns in Richtung Anschlussflug winkt. Den erreichen wir, obwohl wir eine Station mit dem Gate-Shuttle fahren m├╝ssen. Geschafft!

Riesiger Flieger mit ├╝ber 50 Reihen. W├Ąhrend des Fluges nach Athen fangen meine Knie an zu schmerzen.

Vor Ort dann Hochspannung: Hat unser Gep├Ąck den knappen Umstieg ebenfalls geschafft? Am Gep├Ąckband dann die Erleichterung: Beide Koffer erscheinen auf dem Gep├Ąckband.

Vor dem Flughafen warten die Busse. Ich m├Âchte Tickets kaufen, meine M├Ądels lachen dar├╝ber und wollen lieber direkt einsteigen. An einem Kiosk finde ich Karten f├╝r den “Airport-Express” und wir steigen in den n├Ąchsten Bus ÔÇô in dem wir dann direkt kontrolliert werden. Die Tickets haben sich sofort bezahlt gemacht. Nach einer Mautstation stehen wir lange im Stau.

Wir beschlie├čen, von der Endstation aus zu Fu├č weiterzugehen und pilgern mit unseren schweren Koffern durch das wilde Nachtleben von Athen. Unser Hotel liegt direkt im Zentrum, das Partyvolk be├Ąugt uns argw├Âhnisch. Nach langem Marsch finden wir unser Hotel, das von au├čen arg heruntergekommen aussieht. Von innen hingegen ist es wunderbar renoviert. Ich traue mich allerdings als Einziger, den Fahrstuhl zu benutzen.

Unsere Tochter ist so m├╝de, wie man es nur sein kann, und f├Ąllt sofort in tiefen Schlaf. Auch ich schlafe bald ein. Vorher stelle ich noch fest, dass wir aus dem Zimmer einen Blick auf ein beleuchtetes Geb├Ąude haben, welches wir zun├Ąchst f├╝r die Akropolis halten ÔÇô es ist aber das Observatorium.

Tag 2 / 15.10.2023 – Athen, Akropolis

Wir schlafen lange aus und suchen uns dann etwas zum Fr├╝hst├╝cken. Am Psirri-Platz finden wir zahlreiche Restaurants und entdecken beim Vorbeigehen einen riesigen Stapel Pancakes auf einem Tisch – sofort wissen wir, dass wir hier richtig sind und die Entscheidung ist gefallen. Unsere Tochter w├Ąhlt die Pancakes, ich entscheide mich f├╝r Toast mit Spiegelei und meine Frau f├╝r Chicken Pie.

Anschlie├čend brechen wir in Richtung Akropolis auf. Wir ├╝berqueren den Monastiraki-Platz, schlendern ├╝ber einen Markt und steigen schlie├člich durch das Anafiotika-Viertel und Richtung Akropolis auf. Die engen, verwinkelten Gassen mit viel Graffiti bieten tolle Blicke auf die Stadt.

An der Akropolis kommen wir auf die gute Idee, den Sch├╝lerausweis vorzulegen – wir sparen so den Eintritt und d├╝rfen dank meines Presseausweises au├čerdem einen speziellen Aufzug nutzen. So kommen wir in den Genuss einer spektakul├Ąren Fahrt im Elektro-Golfkart und Fahrstuhl. Herrlich.

Die Akropolis selbst ist aus der N├Ąhe betrachtet nur m├Ą├čig spektakul├Ąr, bietet aber einen tollen Blick ├╝ber die Stadt.

Auf dem R├╝ckweg nehmen wir den direkten Weg und sind nach 20 Minuten wieder am Psirri-Platz. Greek Salad f├╝r die M├Ądels und f├╝r mich Souvlaki – das etwas auf sich warten l├Ąsst. Dazu gibt es Live-Musik auf dem stetig voller werdenden Platz. Viele Griechen unter den G├Ąsten. Anschlie├čend gehen wir zur├╝ck auf unser Zimmer und halten Mittagsschlaf.

Am Abend unternehmen wir per Taxi einen Abstecher zum Lykabettus-H├╝gel. F├╝r 15 ÔéČ lassen wir uns halb hinauffahren, erhaschen noch einen Zipfel der untergehenden Sonne, leider nicht die Akropolis – die wird erst w├Ąhrend des R├╝ckwegs sichtbar. Unterhalb des H├╝gels suchen wir wieder ein Taxi – diesmal f├╝r nur 5 ÔéČ.

Wir g├Ânnen uns noch einen Gyros Pita am Psirri-Platz, bevor wir fr├╝h ins Bett gehen.

Eindr├╝cke aus Athen:

  • Chaotische Stadt
  • Viel Partyvolk
  • Konzentriertes Nachtleben auf ein kleines Gebiet rund um die Akropolis
  • Lebendig und laut
  • Erwacht abends zum Leben
  • Auf den Stra├čen 75% Griechen, 25% Europ├Ąer, Amerikaner und Japaner
  • H├Ąuser und ganze Stra├čenz├╝ge wirken sehr heruntergekommen, aber auf charmante Weise – wir nennen es “├Ąsthetisch sch├Ąbig”
  • Harter Kontrast zwischen ├Ąu├čerer Fassade und innerem Zustand
  • Griechen sehr freundlich und hilfsbereit, offen, aufgeschlossen, kommunikativ, entspannt, gastfreundlich

Tag 3 / 16.10.2023 – Mit der F├Ąhre nach Serifos: Inselhopping

Schon ist unsere Zeit in Athen vor├╝ber! Wir packen unsere Koffer und fr├╝hst├╝cken noch einmal im Pancake-Lokal. Auf dem Men├╝ stehen Feta- und Pastrami-Pie, dazu Sandwiches.

Die Metro-Station finden wir direkt um die Ecke und fahren durch die Stadt zum Hafen. Der Zug ist sowohl au├čen als auch innen gro├čfl├Ąchig mit Graffitis und Tags bedeckt, ruckelt und scheppert gewaltig ÔÇô total passend f├╝r diese Stadt.

Mit einer Metro durch Athen
Mit einer Metro durch Athen

Wir sind zeitig am Hafen und finden schnell unser “Gate”. Die F├Ąhre, ein schnittiger und riesengro├čer Super-Jet, steht schon bereit.

An Bord finden wir bequeme Sitze vor, die an Flugzeugsitze erinnern. Entgegen der online verbreiteten Ger├╝chte, dass das Au├čendeck w├Ąhrend der Fahrt gesperrt sei, k├Ânnen wir w├Ąhrend der Fahrt an Deck die Aussicht auf vor├╝berziehende Inseln und das Meer genie├čen.

Die Preise an Bord sind im Gegensatz zu Athen recht hoch ÔÇô f├╝r Sandwiches und Getr├Ąnke zahlen wir 20 ÔéČ. Die F├Ąhre macht gute Fahrt, w├Ąhrend die Griechen an Bord d├Âsen, schie├če ich Fotos an Deck. Bald kommt eine kleine Insel in Sicht, die mit 20 Windr├Ądern best├╝ckt ist ÔÇô ein griechischer Offshore-Windpark.

Windpark auf hoher See
Windpark auf hoher See

Kurz darauf kommt Serifos in Sicht, von der Wetterseite her schroff und abweisend. Ein winziger Leuchtturm ist in eine steile Felswand eingelassen. Zwei Felsnasen sp├Ąter pr├Ąsentiert sich die Insel von einer freundlicheren Seite, als sich eine Bucht ├Âffnet, in der auch der Hafen liegt.

Die M├Ądels sind sauer auf mich, weil ich so sp├Ąt nach unten komme ÔÇô aber unten im Autodeck empfangen uns Abgase und laute Sirenen. Dann ├Âffnet sich die Aussicht durch die herunterfahrenden Autorempen ÔÇô wir haben Serifos erreicht.

Im Hafen warten wir auf Dimitri, den Schwager der Familie. Wir schauen uns um, freuen uns ├╝ber das herrliche Wasser und die wei├č get├╝nchten H├Ąuser am Berg – die Chora. Sobald das Schiff wieder abgelegt hat und wir alleine am Hafen sind, umf├Ąngt uns die Ruhe dieser abgelegenen Insel. Schlie├člich ist Dimitri da und verstaut unsere Koffer fachm├Ąnnisch im Kleinwagen. Er stellt sie aufrecht in den winzigen Kofferraum des Nissan ÔÇô ein n├╝tzlicher Trick. Dimitri stellt sich vor: Er hat in die Familie eingeheiratet, lebt im Winter in Athen und arbeitet im Sommer rund um die Uhr auf Serifos.

Erste Schritte auf Serifos - der Hafen
Erste Schritte auf Serifos – der Hafen

Bald erreichen wir das kleine Studio-Hotel ÔÇ×Vassilia on the BeachÔÇť ├╝ber steile Stra├čen. Dort werden wir von Vassilias Sohn, Frieko, empfangen. Er erkl├Ąrt, sein eigentlicher Name sei f├╝r uns unaussprechlich, und begr├╝├čt uns mit guter Laune. Er zeigt uns das Apartment, das auf zwei Zimmer und vier Betten upgegradet wurde und weit uns in mehrere griechische Sagen ein, die auf Serifos spielen. Soweit so gut.

Anschlie├čend zieht es uns sofort zum Strand. Wir gehen baden und chillen am Strand. Das Wasser ist k├╝hl, die Liegen geh├Âren zur Unterkunft. An der Bar gibt es Getr├Ąnke, die auch an den Liegen serviert und auf das Zimmer geschrieben werden. Das Meer mit seinem sandigen Einstieg ist herrlich zum Baden.

Livadi Beach
Livadi Beach

Nach einer entspannten Stunde am Strand erkunde ich den Fu├čweg zum Hafen und zu den Superm├Ąrkten, wo ich Zutaten f├╝r Sandwiches, Tomaten, Bier und Melone kaufe ÔÇô und nat├╝rlich Oregano-Chips. Ich schaue auch beim lokalen Mietwagenverleih vorbei, der Kleinwagen f├╝r 30 ÔéČ am Tag anbietet.

Am Abend erkunde ich die langgestreckte Bucht ÔÇô der Anblick ist herrlich. Die Bucht ist mit niedrigen Zedern bewachsen, deren St├Ąmme wei├č get├╝ncht sind. Die ausladenden Wurzeln scheinen ├╝ber den Strand zu kriechen. Au├čergew├Âhnlich!

Wir essen in der benachbarten Aleksandro-Bar und erfahren danach, dass die Bar dem Onkel der Familie geh├Ârt, mit dem es offenbar Streit gibt. Das Essen ist in Ordnung, aber kein Highlight: Solider Tomatensalat mit hausgemachtem Feta und Oliven├Âl, gutes Moussaka, m├Ą├čige Calamari. Morgen werden wir bei Vassilia essen, um es uns nicht zu verderben.

Leider sind am Abend wegen der Bew├Âlkung nicht viele Sterne zu sehen.

Schlafenszeit: Das Bett ist etwas zu kurz und zu eng f├╝r meine Frau und mich, aber ich schlafe gut, tief und fest.

Die Ankunft auf Serifos, einer Insel, die sich zun├Ąchst abweisend und schroff zeigt, nur um dann ihr wahrhaft freundliches Gesicht in einer einladenden Bucht zu offenbaren, ist wie das Entdecken eines wohlgeh├╝teten Geheimnisses. Die Insel empf├Ąngt ihre Besucher mit der Gelassenheit und Ruhe, die nur solche abgelegenen Orte bieten k├Ânnen. Die Familie, in deren Kreis man aufgenommen wird, und die Gastfreundschaft, die mit jedem L├Ącheln, jedem Wort geteilt wird, verwandeln den Ort von einem einfachen Ziel zu einem Zuhause fernab der Heimat.

Die sanften Wellen am Strand von Serifos, die k├╝hle Erfrischung des Wassers und die Sonne, die die Haut k├╝sst, sind ein R├╝ckruf an die einfachen Freuden des Lebens. Der sandige Einstieg ins Meer, die Liegen, die wie stille Zeugen des Friedens am Strand stehen ÔÇô all dies sind Pinselstriche auf der Leinwand des Sommers.

Der Abend bringt eine sanfte Melancholie mit sich, w├Ąhrend die Sterne sich hinter den Wolken verstecken. Die kulinarische Erfahrung, ein solider Tomatensalat, gutes Moussaka, m├Ą├čige Calamari, ist ein Echo der griechischen Kultur, die sich in ihrer Einfachheit und ihrem Reichtum offenbart. Das Bett, obwohl etwas zu kurz und eng, wird zum Kokon, in dem die Eindr├╝cke des Tages sich zu Tr├Ąumen verweben.

Tag 4 / 17.10.2023 – Serifos erkunden

Unsere Tochter hat sich f├╝r heute fr├╝h den Wecker gestellt ÔÇô sie m├Âchte sich den Sonnenaufgang anschauen und dabei baden. Nat├╝rlich bin ich dabei. Was f├╝r ein Panorama! Die Sonne steigt ├╝ber einer Klippe zur Linken unserer Bucht auf und taucht den ganzen Strand in rotes Licht. Einfach herrlich!

Baden im Sonnenaufgang auf Serifos
Baden im Sonnenaufgang auf Serifos

Wir fr├╝hst├╝cken in der Vassilia-Bar mit Blick auf die langsam h├Âher steigende Sonne. K├Âstliche Mini-Wraps und R├╝hrei – dazu Milchkaffee. Wunderbar.

Anschlie├čend chillen wir am Strand und baden im erfrischend k├╝hlen Mittelmeer. Wir t├╝ffeln dann hin├╝ber nach Livadi zum BlueBird Car Rental, wo wir von der offenbar geistig eingeschr├Ąnkten Tochter des Hauses begr├╝├čt werden. Sie findet Gefallen an unserer Tochter, besonders deren Fu├čkette wird gr├╝ndlich untersucht. Wir bekommen problemlos einen kleinen Nissan f├╝r 30 ÔéČ je Tag. Der Besitzer spricht kein Wort Englisch – der Versicherungsstatus des Autos bleibt unbekannt. Wird schon gut gehen. Auf der kurzen Fahrt zu Vassilia Beach lerne ich das Auto kennen – ein wirklich gutm├╝tiger Kleinwagen mit manueller Schaltung, der m├╝helos jede Steigung nimmt.

Wir packen ein paar Sachen ein und fahren dann hinauf zur Chora, dem kleinen Ort mit den wei├čen H├Ąusern am steilen Hang, der schon vom Hafen aus weithin sichtbar war. Wir folgen steilen Serpentinen. K├Âniglich thronen kleine Kirchen an den h├Âchsten Punkten der umliegenden Berge ├╝ber der Szenerie. An geeigneter Stelle unterhalb alter Windm├╝hlen parken wir den Wagen und machen uns zu Fu├č auf den Weg hinauf durch die leeren, engen Gassen zum h├Âchsten Punkt der Ortschaft. Nur ein paar Katzen sind zu sehen, sie folgen uns eine Weile und huschen dann in schmale Nischen zu beiden Seiten des Weges.

Auf halber H├Âhe hat ein kleines Caf├ę ge├Âffnet, gegen├╝ber bietet ein kleiner Supermarkt das N├Âtigste an. Ich kaufe mir eine kalte Cola und verliere dabei die M├Ądels aus dem Blick. Wir treffen uns erst an der Kirche wieder, die den h├Âchsten Punkt des Ortes markiert. Auf dem Weg dorthin passiere ich steile Treppen und genie├če fantastische Aussichten ├╝ber die K├╝ste der Insel, schwelge in der griechischen Szenerie und dem herrlichen Sonnenschein. Oben angekommen sehe ich meine M├Ądels wieder – sie haben sich offenbar von der anderen Seite gen├Ąhert. Wir genie├čen den Ausblick und pausieren an der Kirche.

Zur├╝ck am Parkplatz starte ich die Drohne und fliege ├╝ber die Stadt – in Anbetracht der wenigen Passanten erscheint mir dies sicher – au├čerdem halte ich viel Abstand.

Wir beschlie├čen, den Berg zu queren und auf die andere Inselseite zu fahren, wo uns ein einsamer Strand und eine kleine Taverne erwarten. Der Weg f├╝hrt ├╝ber steile Serpentinen, tiefe Schlagl├Âcher und zum Schluss eine enge Stra├če, die mehr einem Feldweg gleicht. Schlie├člich erreichen wir Sikamia Beach. Die hiesige Taverne sieht geschlossen aus, die M├Âbel sind im Innenraum s├Ąuberlich gestapelt.

Wir sind alleine am Strand, baden und chillen am Strand. Das Wasser ist toll – man sieht dem Strand aber den Herbst an, einige Algen s├Ąumen das Ufer. Ich spaziere am Strand, mache Fotos von diesem Ort, fliege eine Runde mit der Drohne. Dann baden wir im seichten Wasser, dass heute allerdings etwas tr├╝b ist.

Die verlassen aussehende Taverne scheint doch belebt zu sein. Uns begr├╝├čt ein gro├čer, alter Hund, den wir sofort in’s Herz schlie├čen. Die Besitzerin l├Ąsst sich sehen und begr├╝├čt uns herzlich. Der Hund hei├čt Romeo und kann nicht mehr richtig laufen und kaum sehen – hatte aber ein herrliches Leben an diesem Strand, erl├Ąutert uns die freundliche Dame in gebrochenem Englisch. Umso mehr freut sich der alte Hund ├╝ber Streicheleinheiten. Wirklich ein Prachtkerl.

Mit H├Ąnden und F├╝├čen verst├Ąndigen wir uns mit der Wirtin und einigen uns auf ein Men├╝ aus Greek Salad, Moussaka, Kichererbsen und Pommes, dazu Brot mit Tsatsiki. Richtig k├Âstlich!

Wir nehmen ausf├╝hrlich Abschied von Romeo, der uns traurig nachblickt. Auf wiedersehen, Romeo!

Auf dem R├╝ckweg Zwischenstopp an unserem Parkplatz an der Chora, wo ich vermutlich meine Sonnenbrille verloren habe – aber sie ist nicht zu finden. Zur├╝ck bei Vassilia machen wir es uns in der Bar gem├╝tlich, essen Salat und Spaghetti Carbonara und genie├čen die entspannte Abendstimmung.

Tag 5 / 18.10.2023 – Serifos Mining Camp in Megalo Livadi

Wir starten den Tag nat├╝rlich wieder mit einem Bad im Meer und einem Kaffee auf der Sonnenliege. Dann Fr├╝hst├╝ck in der Vassilia-Bar mit Pita, R├╝hrei und Toast. Anschlie├čend einige Stunden Ruhe am Strand, mit schnorcheln und lesen.

Gegen Mittag brechen wir auf, um den Westen der Insel zu erkunden. Unser Ziel ist es, den Wanderpfad zu einer versteckten Bucht zu finden. Doch ohne GPS-Signal verpassen wir die richtige Abzweigung und finden uns pl├Âtzlich in Megalo Livadi wieder ÔÇô einst das pulsierende Herz des Bergbaus auf der Insel. Auf dem Weg dorthin bestaunen wir schicke H├Ąuser und Bungalows, die den Wohlstand der Gegend und ihre Ausrichtung auf wohlhabende Besucher aus Athen widerspiegeln. Wir tauchen ein in die Geschichte der alten Minen, entdecken umgest├╝rzte, verrostete Loren, zerst├Ârte Gleise und verlassene Br├╝cken ÔÇô eine perfekte Kulisse f├╝r Drohnenaufnahmen.

Auf dem R├╝ckweg suchen wir Erholung am Strand von Vagia ÔÇô das Wasser ist herrlich, auch wenn der Untergrund sehr steinig ist.

Vagia Beach Serifos
Vagia Beach Serifos

Den Abend lassen wir ruhig angehen, genie├čen Toast und Melone in unserem Appartment. Sp├Ąter in der Nacht nutze ich die Gelegenheit, um Sterne zu fotografieren ÔÇô die Sicht ist einfach atemberaubend. Die Chora ist erleuchtet, dar├╝ber funkeln die Sterne. Ich sehe die Milchstra├če und diverse Sternschnuppen. Wundervoll!

Ein historischer R├╝ckblick auf Megalo Livadi:

Die Geschichte von Megalo Livadi ist eng mit dem Eisenerzbergbau verbunden, der hier ab 1861 begann und die Inselwirtschaft ├╝ber Jahrzehnte pr├Ągte. Verschiedene Gesellschaften versuchten sich im Abbau der Erzvorkommen, bis schlie├člich die franz├Âsische ÔÇ×Gesellschaft Serifos-SpiliasesaÔÇť unter der Leitung des deutschen Mineralogen A. Grohmann die F├╝hrung ├╝bernahm. Das gef├Ârderte Erz fand seinen Weg in die USA, nach England, Schweden und Belgien.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergarbeiter waren hart und f├╝hrten 1912 zur Gr├╝ndung einer Gewerkschaft. Ein markantes Ereignis in der Geschichte der Arbeiterbewegung auf Serifos war der Streik von 1916, der tragisch endete, als die Polizei und Wachleute der Mine auf die streikenden Arbeiter und ihre Familien schossen, was zu Todesopfern und zahlreichen Verletzten f├╝hrte. Dieser Konflikt unterstreicht die K├Ąmpfe der Arbeiterklasse f├╝r bessere Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit.

Die Erkundung von Megalo Livadi bietet somit nicht nur Einblick in die nat├╝rliche Sch├Ânheit und Ruhe der Gegend, sondern auch in die tiefgreifenden sozialen und historischen Dynamiken, die die Insel und ihre Gemeinschaften geformt haben.

Tag 6 / 19.10.2023 – Lia Beach

Der Tag startet wieder mit herrlicher Sommerstimmung und Sonnenaufgang am Meer. ├ťber Nacht hat sich ein spitzer Sp├╝lsaum am Strand gebildet, der aussieht wie ein winziger Deich. Bald f├Ąhrt aber ein Schiff vorbei, dessen Bugwelle das Kunstwerk zerst├Ârt. Zum Fr├╝hst├╝ck g├Ânnen wir uns wieder Toast und R├╝hrei in der Vassilia-Bar.

Meine Frau hat sich leider eine Blasenentz├╝ndung eingefangen – daher unternehmen wir einen Abstecher zum Medical Center der Insel, kurz hinter der Chora. Seht gut organisiert, der junge Arzt untersucht meine Frau gr├╝ndlich und sorgsam. Schlie├člich verschreibt er Antibiotika. Das Rezept sieht eher aus wie ein Notizzettel – wir sind ├╝berrascht, als wir es in der lokalen Apotheke tats├Ąchlich vorlegen k├Ânnen.

Medical Center Serifos
Medical Center Serifos

F├╝r sie ist also Ruhe angesagt – ich ziehe alleine ├╝ber die Insel. Mein Ziel ist Lia Beach an der Westk├╝ste. Eine waghalsige Sandpiste f├╝hrt dorthin, endet schlie├člich an einem kleinen, ├Âkologischen Hotel. Rechts f├╝hrt ein kleiner Kletterpfad am Hotel vorbei und zum Strand. Der Pfad f├╝hrt durch dornige Str├Ąucher, dauert aber nur 5 Minuten. Dann ├Âffnet sich der Strand vor mir. Er liegt herrlich und halbrund in der Sonne. Zwei nackte Griechen f├╝hlen sich beim Baden gest├Ârt und mustern mich kritisch. Ich halte betont viel Abstand, lasse mich auf der entgegengesetzten Seite der Bucht nieder – und verzichte ebenfalls auf meine Badehose. Das Wasser ist verlockend und zieht mich bald an. Nackt schnorchle ich die Felsen der Bucht entlang. Perfekte Sicht, glasklares Wasser, viele Felsen – aber kaum Fische.

Bald treffen weitere Besucher ein, die ich um Einverst├Ąndnis zum Drohne fliegen bitte, mittlerweile mit Badehose am Leib – sie bedanken sich f├╝r die Frage.

Nach einiger Zeit breche ich dann auf und unternehme noch einen Abstecher zum Strand Paralia Agios Sostis. Eine einsame Kapelle gleichen Namens thront inmitten eines abgelegenen, wilden Strandes. Was f├╝r ein Anblick!

Auf dem R├╝ckweg Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt auf einem Berg. Mitten im Nirgendwo steht ein Stuhl mit Blick auf die K├╝stenlinie der Insel. Ich habe selten einen besser platzierten Stuhl gesehen.

Am Abend Phase 10 (Sieg f├╝r mich!) und k├Âstlicher Souvlaki in der Vassilia-Bar.

Anschlie├čend mache ich mich auf den Weg, nochmal das n├Ąchtliche Himmelszelt zu fotografieren. Diesmal schlendere ich in die andere Richtung in Richtung Ortschaft. Ich finde ein paar gute Motive, fotografiere Graffiti-Walls und verfallene Bauten, die einen scharfen Kontrast zum Sternenhimmel bilden.

Tag 7 / 20.10.2023 – Serifos <> Sifnos Inselhopping

Der letzte Morgen auf Serifos bricht an. Wir zelebrieren unsere Morgenroutine: Die Tochter badet im Sonnenaufgang, ich trinke griechischen Kaffee und frischen Orangensaft im milden Sonnenschein, schreibe Tagebuch und genie├če den herrlichen Blick ├╝ber diese friedliche Bucht.

Fr├╝hst├╝ck in der Bar, dann eine herzliche Verabschiedung von Frieko, Dimitri und dem Koch. Unsere Tochter wird besonders herzlich verabschiedet – sie soll unbedingt einen Sommer zum Arbeiten auf Serifos verbringen, sagen die drei. Das wird aber erst funktionieren, wenn sie 18 Jahre alt ist.

Unsere F├Ąhre geht gehen 12 Uhr, wir fahren zeitig zum Hafen, um das Auto abzugeben. Das verl├Ąuft problemlos, das Auto wird nichtmal in Augenschein genommen. Hier wird noch vertraut. Ich kaufe noch etwas Proviant, eine neue Sonnenbrille und den obligatorischen K├╝hlschrankmagneten. Dann warten wir auf die F├Ąhre und beobachten das Treiben im Hafen. Ein Tankschiff wird abgefertigt, dazu f├Ąhrt eine ├╝bergewichtige Griechin auf einem winzigen Motoroller heran, der unter ihrem Gewicht zu ├Ąchzen scheint. Sie vertaut das Schiff und macht sich dann gleich wieder aus dem Staub.

Unsere F├Ąhre legt an
Unsere F├Ąhre legt an

Die F├Ąhre ist krass und ├╝berraschend luxuri├Âs. Nachdem wir unsere Koffer verstaut haben, fahren wir per Rolltreppe in Richtung Zwischendeck und bestaunen die opulente Einrichtung der F├Ąhre, die geradezu verschwenderisch ausgestattet ist. Eine kurze Recherche ergibt, dass dieses Schiff ehemals als Kreuzfahrtschiff in Norwegen diente. An Deck genie├čen wir den Blick zur├╝ck auf die Insel und ├╝ber das Meer. Diese Fahrt w├Ąrt allerdings nur kurz, denn schon bald erscheint Sifnos am Horizont und kurz darauf laufen wir schon im Hafen ein.

Wie anders diese Insel wirkt! Alle H├Ąnge sind steil, der kleine Hafenort wirkt regelrecht eingeklemmt zwischen riesigen Bergen, an deren Spitze jeweils kleine Kapellen wei├č funkeln.

Mit unseren Koffern ziehen wir die Promenade entlang, die bald zur Hauptstra├če des Ortes wird, und nehmen erste Eindr├╝cke auf. Kleine Restaurants liegen direkt am Hafen, der auf der linken Seite von einem kleinen Badestrand ges├Ąumt wird. Auf der anderen Seite Caf├ęs, F├Ąhrb├╝ros, Car Rentals sowie B├Ąckereien. Wir kaufen Backwaren, mit Spinat und Feta gef├╝llte Taschen, die sich sp├Ąter als ├Ąu├čerst k├Âstlich herausstellen werden.

Ankunft auf Sifnos - Hafen zwischen steilen Bergen
Ankunft auf Sifnos – Hafen zwischen steilen Bergen

Unseren Mietwagen haben wir am Vorabend telefonisch reserviert – bei SunTrail, dem hiesigen Verleiher mit den besten Bewertungen. Das Ladengesch├Ąft macht einen hervorragenden Eindruck. Anhand einer Faltkarte werden wir umfasend instruiert, Sehensw├╝rdigkeiten markiert und die besten Badestellen eingezeichnet. Als besten Strand bezeichnen sie ausgerechnet jene Bucht, in der unser n├Ąchstes Zimmer liegt – perfekt! Wir steigen also in unseren Fiat-Panda, die Koffer werden aufrecht gestellt, so wie wir es gelernt haben – und los geht’s!

Schon nach kurzer Fahrt offenbart sich eine ganz andere Insel: Gr├╝ne H├Ąnge haben wir auf Serifos nicht gesehen, ├╝ppige Olivenb├Ąume s├Ąumen die Stra├čen, die gut ausgebaut sind. Enge Stra├čen mit Wendungen und engen Kurven.

Die einzige Tankstelle soll im gr├Â├čten Ort der Insel Appollonia liegen – hier halten wir also, denn wir haben den Wagen nur halbvoll ├╝bernommen. Better safe than sorry. Anschlie├čend geht es abw├Ąrts, wir erhaschen herrliche Blicke auf einen kleinen K├╝stenort. Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichen wir Vathi – k├Ânnen allerdings nicht bis zum Strand fahren. Offenbar soll das Auto abseits geparkt werden. Also zu Fu├č weiter zum Strand, der auf den ersten Blick sehr schmal erscheint. Kleine Tavernen und Bars, dazwischen niedliche Strandh├Ąuser.

Bald haben wir das Studio Anna gefunden – nach kurzen Verst├Ąndigungsproblemen erhalten wir den Schl├╝ssel. Das Zimmer ist sehr klein und bietet nur wenig Komfort – unsere Tochter ist zun├Ąchst entt├Ąuscht. Aber: Wir haben einen kleinen Balkon mit Blick auf das Meer und wohnen inmitten einer griechischen Familie. Das Zimmer ist perfekt sauber.

Ich ziehe nochmal los um ein paar Basics zu shoppen – wir haben neben einem Sandwich-Maker n├Ąmlich auch eine Kochplatte und T├Âpfe auf dem Zimmer. Die Sandwich-Maker sind ein Ph├Ąnomen in ganz Griechenland – jedes noch so kleine Zimmer hat irgendwo im Schrank immer ein solches Ger├Ąt zu bieten. Mit einer Packung Toast, Scheibenk├Ąse und etwas Tomate und Olivenpaste ist so jederzeit eine leckere Mahlzeit zu bestreiten. Leider finde ich nur einen Mini-Market ohne frisches Gem├╝se. F├╝r Wasser, Nudeln und Kaffee reicht es aber.

Die M├Ądels baden, ich hole meinen Schnorchel heraus. Fische sehe ich wiederum kaum – daf├╝r aber einen Oktopus, der sich in einem Frapp├ę-Becher einquartiert hat. Toller Empfang an diesem tollen Ort!

Tag 8 / 21.10.2023 – Sifnos Kastro

Herrlich haben wir es hier! In der Nacht wurden wir vom stetigen Rauschen des Meeres vor unserem Fenster begleitet, in der Fern l├Ąuten die Glocken von Ziegen und Schafen, ein k├╝hler Luftzug streicht durch das Zimmer. Drau├čen dufet es nach Meer und Hitze und Griechenland. Nun sitze ich auf dem Balkon, blicke auf das Meer und schreibe.

Wir fr├╝hst├╝cken Sandwiches aus dem Sandwich-Maker, dem kleinsten gemeinsamen Nenner aller griechischen Ferienunterk├╝nfte, dazu Pulver-Kaffee “Cappuccino”. Nach dem Fr├╝hst├╝ck brechen wir in Richtung Kastro auf, ca. 30 Minuten Autofahrt.

Wir finden eine charmante kleine Stadt vor, gebaut in steile Felsen rund um eine alte Festung, von der nur noch die Grundmauern stehen. Enge Gasse, die wei├č get├╝ncht strahlen, durchbrochen von bunten Blumen und blauen Fensterl├Ąden. Malerisch und gro├čartig! Auf einer kleinen, vorgelagerten Felseninsel thront die kleine Kirche der Sieben M├Ąrtyrer (Epta Martyres), zu der ich ├╝ber zahllose Stufen wandere. Surreale Szenerie. Auf dem Weg dorthin eine kleine Bar mit herrlichem Blick ├╝ber die K├╝ste, deren Fassade fast vollst├Ąndig mit schwarzen Kritzeleien ihrer G├Ąste versehen ist, die manchmal plump und manchmal k├╝nstlerisch erscheinen. Dies scheint im Sommer DER Treffpunkt auf der Insel zu sein. Unsere Tochter wird w├Ąhrenddessen von Katzen umlagert, will aber nur mit der kleinsten spielen.

W├Ąhrend der R├╝ckfahrt finden wir tats├Ąchlich ge├Âffnete Superm├Ąrkte, kaufen Nudeln, Wasser und Knabberkram.

Wir sind au├čerdem auf der Suche nach einem neuen Weinkrug f├╝r zuhause. Sifnos ist f├╝r sein T├Âpferhandwerk ber├╝hmt und wir besuchen 3 Werkst├Ątten. Dabei sehen wir au├čergew├Âhnliche Kunstwerke, Teller, Vasen, handbemalt und ├Ąu├čerst h├╝bsch. Aber einen Weinkrug finden wir nicht.

Zur├╝ck am Vathi Beach sonnen wir uns und schnorcheln in der langgestreckten Bucht. Okti l├Ąsst sich nicht blicken, sein Plastikbecher liegt verlassen am Meeresgrund.

Sp├Ąter breche ich auf, um den Wanderpfad rechts unserer Bucht zu erkunden. Steiler Pfad, abgesperrt mit einem schweren Ziegentor. Viel Ger├Âll und spitze Dornen – fantastischer Blick ├╝ber das Meer. M├Ą├čig spektakul├Ąrer Sonnenuntergang.

Blick ├╝ber Vathi Beach
Blick ├╝ber Vathi Beach

Anschlie├čend lassen wir uns in der Taverne Symposio nieder, die mit eigenem Anbau und besten Produkten wirbt. Wir treffen auf den Besitzer und Koch, der mit Leib und Seele bei der Sache ist. Wenn er zwischen den G├Ąngen nichts zu tun hat, fischt er direkt vom Strand aus per Handleine nach Fischen und Oktopus. Die Qualit├Ąt der Speisen kann allerdings mit seinen vollmundigen Versprechungen nicht recht mithalten. Trotzdem ein Erlebnis und ein einzigartiger Typ.

Der Chef des Symposio angelt
Der Chef des Symposio angelt

Tag 9 / 22.10.2023 – Auf Sifnos unterwegs

Wieder wecken mich Wellen, H├Ąhne und das wilde zwitschern kleiner V├Âgel. Ich habe sehr gut geschlafen, aber gegen Mitternacht war ich einmal wach – der Nachbar hat sich lautstark und minutenlang ├╝bergeben. Ich genie├če die Morgenstimmung auf dem Balkon und mache mir Cappuccino, als die M├Ądels schlie├člich aufwachen. Zum Fr├╝hst├╝ck serviere ich wieder die beliebten Sandwiches, dazu R├╝hrei mit Tomate.

Wir erkunden heute den S├╝den der Insel, der sich als unspektakul├Ąr erweist. Zun├Ąchst landen wir dabei in Platis Gialos – eine gro├če Bucht, die im Sommer sehr touristisch sein mag, nun aber fast verlassen darliegt. Ein Keramikladen hat offen, aber wir finden auch hier auch keinen Wei┼äkrug – das perfekte Exemplar sichten wir sp├Ąter im Schaufenster eines geschlossenen Gesch├Ąfts. So k├Ânnen wir den perfekten Krug nur durch die Fensterscheibe bewundern. So nah und doch unerreichbar. Der n├Ąchste Halt ist Chrisopigi – eine kleine Kirche am Meer, wo wir auf ein lebloses Katzenbaby am Wegesrand sto├čen. Kurzer Aufenthalt am Meer, sch├Ânes Panorama.

Dann erkunden wir die Altstadt von Apollonia. Der Parkplatz liegt am Rande der Altstadt – parken ist in der Stadt selbst wegen der engen H├Ąuser kaum m├Âglich. Wir schlendern durch schmale Gassen und eine kleine Einkaufsstra├če mit Boutiquen und einem Feinkostladen, wo wir Honig und Kekse als Mitbringsel f├╝r daheim shoppen. Dann finden wir noch den besten Supermarkt der Insel – den Fresh Market. Ein ├╝ppiges Sortiment an frischem Gem├╝se und Obst, dazu sogar eine Theke mit allerlei Fleisch und anderen Spezialit├Ąten. Auf der Karte ist dieser Markt nicht eingezeichnet.

Wir halten noch an einem der zahlreichen Wanderpfade dieser Insel, die ein wahres Mekka f├╝r Wanderer auf den Kykladen ist. Die Wanderwege hier sind gut ausgebaut und ausf├╝hrlich beschildert. Sogar einzelne Pflanzen sind beschildert, das habe ich so in Griechenland noch nicht gesehen. Am Startpunkt des Wanderwegs ist sogar strategisch g├╝nstig eine Bushaltestelle platziert.

Zur├╝ck in Vathi wird erstmal ausf├╝hrlich gebadet. Die Wahl dieser Unterkunft war wirklich fantastisch, dies scheint der herrlichste Platz auf der Insel zu sein. Von Okti weiterhin keine Spur.

Mich zieht es bald nochmal nach Kastro, wo ich per Drohne die kleine Kirche anfliege. Die Anfahrt dorthin filme ich per GoPro in 4K. Das werden starke Bilder!

In Vathi noch ein letztes Bad und ein fulminanter Sonnenuntergang. Zum Abendessen Spaghetti mit Tomatenso├če und Feta, stilecht auf unserem Balkon mit Blick auf das Meer genossen.

Tag 10 / 23.10.2023 – Sifnos – Milos: Inselhopping

Reisen hei├čt auch, Abschied nehmen – heute von Sifnos und Vathi Beach, wo wir herrliche Tage verbracht haben. Ich genie├če den letzten Morgen auf dem Balkon, lausche dem lauten Klatschen der Wellen und dem Morgengru├č der H├Ąhne, sauge die Atmosph├Ąre in mich auf. In der Ferne zwitschern aufgeregt kleine Singv├Âgel.

Unsere letzten Zutaten verarbeite ich zu Sandwiches, die laut unserer Tochter immer dann besonders gut schmecken, wenn ich sie belege und zubereite.

Routiniert packen wir unsere Koffer. Die Bezahlung vor Ort erweist sich als nicht ganz unkompliziert – die Nonna der Familie ist mit der Bedienung des Kartenlesers nicht vertraut und ruft ihre Tochter an, die mir aber auch blo├č best├Ątigt, ich k├Ânne mit Karte zahlen. Schlie├člich kommt die h├╝bsche Freundin des dicken Griechen zur Hilfe, der den ganzen Tag im Innenhof sitzt und Bier trinkt. Sie ist frisch geduscht, ihre zur├╝ckgek├Ąmmten Haare betonen ihre ├╝berdimensional gro├če Nase, die ihrem Gesicht einen ganz eigenwilligen Charakter verleiht. Schlie├člich habe ich das Geld erfolgreich angewiesen.

Ich fliege noch kurz mit der Drohne ├╝ber den Strand, aber der Akku ist schnell ersch├Âpft. Die Koffer werden nun mittels der bereits bekannten Schubkarre entlang des Strandes transportiert. Die Tochter ist nicht begeistert, dass sie auch eine Fuhre ├╝bernehmen soll. Das Wasser steht heute bedeutend h├Âher am Strand, die Wellen reichen bis an die Mauern der Caf├ęs und H├Ąuser heran. Wir bekommen nasse F├╝├če. Unsere Tochter verabschiedet sich noch von den kleinen Katzen und ist entr├╝stet, als die die Schubkarre nun auch noch zur├╝ck zur Unterkunft bringen soll. Sie hat es nicht einfach.

Von Appolonia aus w├Ąhlen wir die K├╝stenstra├če zum Hafen. Das Meer liegt unter dichten Wolken verborgen, die sich wie ein Teppich dar├╝ber gelegt haben – ein magischer Anblick. Wir steuern das Kloster oberhalb des Hafens von Kamares an, finden aber keinen Parkplatz und haben keine Lust auf eine lange Wanderung. Ich laufe also nur kurz eine Pass-Stra├če hinauf und bewundere die spektakul├Ąre Aussicht, kreuze dabei einen der zahlreichen Wanderwege, die hier allgegenw├Ąrtig sind.

Am Hafen finden wir dann schlie├člich einen h├╝bschen und bezahlbaren Weinkrug, nachdem auch hier die R├╝ckgabe des Mietwagens problemlos verlaufen ist. Im F├Ąhrb├╝ro lassen wir uns die reservierten Tickets ausstellen und machen es uns dann in einer Bar am Hafen bequem. Hier g├Ânnen wir uns ein Zweitfr├╝hst├╝ck mit Blick auf den Hafen und den kleinen Badestrand von Kamares. Gro├čartig. Kleine Ruderboote d├╝mpeln im klaren Wasser des Hafens. Malerisch. Unsere Tochter bestellt sich eine unfassbar opulente Waffel mit Schokoladeneis.

W├Ąhrend wir dann am Pier auf das Schiff warten, unterhalten wir uns mit einem australischen Ehepaar – beide sehr sympathisch. Sie wollen von Milos aus nach Nafplion ├╝bersetzen und freuen sich, als wir von Nafplion schw├Ąrmen, wo wir vor einigen Jahren waren. Gute Wahl!

Die F├Ąhre kennen wir schon. Die Rolltreppen und die Platzverh├Ąltnisse bleiben dennoch beeindruckend! Meine Frau findet heraus, dass die F├Ąhre in den 90er Jahren in Norwegen in den Dienst gestellt wurde und mehrfach ausgemustert wurde. Ein beeindruckendes Schiff.

Eine Milos vorgelagerte Insel liegt im Dunst und sieht geheimnisvoll aus – erinnert an die Isola Nebula aus Jurassic Park. Bald kommt Milos in Sicht – wir gleiten am historischen Ort Plaka vorbei und k├Ânnen die ber├╝hmten bunten Fischerh├Ąuser von Klima darunter sehen.

Auf Milos empf├Ąngt uns eine lebendige Hafenstadt, die offensichtlich deutlich belebter ist als die beiden vorherigen Inseln. Wir schlendern zum Car Rental. Problemlose Anmietung, auch wenn das digitale ├ťbergabeprotokoll nie ankommt. Die Strecke zur Suite offenbart uns erste Eindr├╝cke der Insel. Sie wirkt lieblich, nicht so schroff wie Sifnos und Serifos. Sanft geschwungene H├Âhen ohne die steilen Serpentinen, viele B├Ąume und B├╝sche, Vegetation.

Die Kapetan Tasos Suite ist ├╝berw├Ąltigend. Strahlend wei├č, luxuri├Âs, toller Meerblick vom Balkon aus. Freundlicher Empfang durch Stella, die die gute Seele der Location zu sein scheint. Die Freude wird allerdings getr├╝bt: Unsere Tochter hat Beschwerden mit den Ohren, sie jucken und schmerzen, weisen einen fiesen Ausschlag auf, der beginnt zu eitern. Wir haben die neuen In-Ear Kopfh├Ârer in Verdacht, billige China-Ware von Amazon, ganz gegen unsere Prinzipien. Also: Einmal mehr auf zum Medical Center der Insel Milos, wo wir wieder schnell, zuvorkommend und ohne Wartezeit betreut werden. Als wir auf Sardinien einen Arzt brauchten, haben wir direkt eine Rechnung ├╝ber knapp 100 ÔéČ bekommen – hier interessiert sich niemand f├╝r Versicherungskarten oder Bankverbindungen. Die Griechen sind im Herzen Kommunisten oder gar Anarchisten. Die Tochter bekommt Antibiotika und Salbe verschrieben. Schnorcheln ist f├╝r die n├Ąchsten Tage verboten – das sorgt bei ihr f├╝r Tr├Ąnen.

Kurzer Bummel im Hafenort Adamas mit Pita und Souvlaki im lokalen Grill, der auf griechisches Fastfood spezialisiert ist. Hier werden wir in den kommenden Tagen h├Ąufiger Station machen!

Abends lassen wir es ruhig angehen. Spiele auf dem Balkon und Bier aus dem lokalen Supermarkt, der leider unfreundlich und ├╝berteuert ist.

Tag 11 / 24.10.2023 – Milos

Nachdem ich am Abend schon nicht recht einschlafen konnte, bin ich am Morgen sehr fr├╝h wach. Mit den ersten hellen Streifen am Horizont sitze ich auf dem Balkon und bewundere den Sonnenaufgang, der perfekt sichtbar ist. Nur das Stromkabel einer Stra├čenlaterne h├Ąngt inmitten der Sicht – irgendwie h├Ąngt in Griechenland immer ein Stromkabel im Weg.

Balkon mit Sonnenaufgang
Balkon mit Sonnenaufgang

Auch meine Frau ist fr├╝h wach. Das Fr├╝hst├╝ck lassen wir uns heute auf das Zimmer liefern und schmausen auf dem Balkon. Frische Tomaten, Oliven, Honig, Joghurt, Feta-Taschen – perfekt.

Fr├╝hst├╝ck auf dem Balkon
Fr├╝hst├╝ck auf dem Balkon

Wir schauen kurz zum nahen Strand, der von einer Bauruine ges├Ąumt wird, die eine sch├Âne Villa h├Ątte werden k├Ânnen. Dann empfiehlt Stella uns ein paar nahe Str├Ąnde und f├╝hrt aus, dass der Wind in den n├Ąchsten Tagen zunehmen wird. Also: Heute ein Boot mieten und zum Kleftiko-Strand fahren – oder nie. Bei Google Maps sind in der Bucht Agios Kiriaki zahlreiche Vermieter eingezeichnet. Wir fahren knapp 30 Minuten hin, finden jedoch alles geschlossen vor – die Kehrseite der Nebensaison. Ich telefoniere mit “Crystal Rent” und eine Griechin bem├╝ht sich nach einiger Zeit von Adamas zu uns an den Strand. Sie wirkt absto├čend auf mich, stinkt unfassbar nach Knoblauch und m├Âchte viel Geld f├╝r ein Boot: Wir handeln sie herunter auf 150 ÔéČ f├╝r 2 Stunden plus 60 ÔéČ Benzin. Dann will sie sich sogar auf 110 ÔéČ plus Benzin einlassen – aber ein Gef├╝hl sagt mir, dass etwas nicht stimmt und ich springe in letzter Sekunde ab, den Stift f├╝r das Unterzeichnen des Vertrags bereits in der Hand. Sind es die hohen Vertragsstrafen f├╝r Sch├Ąden am Boot, das unverst├Ąndliche Kleingedruckte oder das Erscheinungsbild der Frau? Ich wei├č es nicht genau, aber manchmal muss man eben auf das Bauchgef├╝hl h├Âren. Unsere Tochter ist entt├Ąuscht, bringt aber Verst├Ąndnis auf.

Wir genie├čen also stattdessen den einsamen Strand und das kristallklare Wasser dieser abgelegenen Bucht, die sich weitl├Ąufig entlang der K├╝ste erstreckt und einen Streifen sehr t├╝rkisen Wassers hat. Ein Fest!

Anschlie├čend unternehmen wir einen Abstecher zu den nahen “bunten Felsen”. Direkt daneben die Deep Blue Strandbar, die im Sommer ein Hotspot sein d├╝rfte. Ein riesiger Parkplatz und verblichene Werbung f├╝r Partys und Livemusik zeugen davon.

Zur├╝ck fahren wir durch ein riesiges Bergbaugebiet, das surreal industriell aussieht. Krasse Landschaft, ganze Berge werden hier schrittweise abgetragen. Diese Industrie ist der Quell f├╝r Wohlstand auf dieser Insel, auch wenn die Folgen f├╝r die Landschaft brutal aussehen.

Lange Mittagspause in unserer Suite. Am Abend unternehmen wir einen Abstecher zum nahen Poseidon Rock und schauen uns den Sonnenuntergang an. Ein unspektakul├Ąrer, aber sch├Âner und friedlicher Ort. Leider versinkt die Sonne schnell hinter einer Klippe.

Anschlie├čend essen wir im Rifaki, direkt am nahen Hafen gelegen. K├Âstlich: Alles ist frisch zubereitet und sehr geschmackvoll, dazu ein freundlicher Kellner.

Kapetan Tasos

Auf dem Weg in das Restaurant Rifaki sprach mich ein alter Grieche an. Er stand in seinem schmalen Vorgarten und m├╝hte sich, mittels Spazierstock einen Granatapfel aus einem Baum zu angeln. Er reichte nicht ganz heran. Seinen Schwall griechischer Worte konnte ich nicht verstehen, aber seine Gesten waren eindeutig: Er wollte, dass ich ihm behilflich bin. Er verstand, dass ich kein Griechisch spreche und formulierte Fragen, die ich nicht entschl├╝sseln konnte. Auf’s Geratewohl versuchte ich es mit zwei Antworten. “Germania”, lautete die erste, auf mich deutend. Und dann, nach rechts weisend, f├╝gte ich hinzu: “Kapetan Tasos”, um ihm mitzuteilen, wo wir Unterkunft gefunden hatten.

Da leuchteten seine Augen und sich auf die Brust klopfend sagte er “Kapetan Tasos”. Offenbar war ich zuf├Ąllig auf den Namensgeber des Hotels gesto├čen. “Bravo”, sagte ich. Nun trat ich also in den Vorgarten, nahm ihm den Spazierstock ab, angelte des Granatapfel der Wahl und zog ihn zu mir herab, pfl├╝ckte ihn und reichte ihn, nebst Spazierstock, zur├╝ck an den Kapetan. Den Apfel reichte er mir gleich zur├╝ck und machte ihn mir zum Geschenk.

Tag 12 // 25.10.2023 – Klima

Von unserem Balkon aus darf ich einen weiteren gro├čartigen Sonnenaufgang bestaunen. Dazu Kaffee. Unsere Tochter k├╝mmert sich um das Fr├╝hst├╝ck und bereitet Sandwiches zu – denn auch diese Wohnung h├Ąlt nat├╝rlich den unvermeidbaren Sandwich-Grill f├╝r uns bereit.

Am Vormittag zieht es uns in die nahen Buchten, die hier entlang der K├╝ste aufgereiht sind. Wir starten am nahen Paralia Papafragkas, wo die K├╝ste mit Schluchten durchschnitten ist. Dazwischen eine echte Mondlandschaft mit Klippen und Kratern. Wir wandern, ich fliege Drohne.

Der n├Ąchste Stopp ist der Strand Alogomandra mit dem Hockey Beach, wo wir herrliches Wasser finden und zur H├Âhle schwimmen. Auf dem R├╝ckweg schnorcheln wir durch eine enge L├╝cke im Felsen. Wir sehen ein gro├čes Lebewesen davonhuschen, k├Ânnen aber nicht identifizieren, worum es sich handelt. Der Strand ist menschenleer, wir lassen uns von der Sonne trocknen. ├ťber die Mittagszeit halten wir Siesta in unserer Suite, die etwas magisches hat.

Am Nachmittag besuchen wir Klima, eines der Highlights der Insel. Das ber├╝hmte Fischerdorf besteht aus hunderten, bunten H├Ąusern, die eng an der Wasserlinie gebaut sind und einst den Fischern der Inseln als Unterschlupf und Garage f├╝r die Boote dienten. Ein unwirklich sch├Âner Platz. Leider heute kein sch├Âner Sonnenuntergang.

Auf dem R├╝ckweg halten wir in Adamas, schmausen Gyros Pita und Souvlaki am Hafen bei Yankos – bester Imbiss der Insel!

Tag 13 // 26.10.2023 – Die Venus von Milos

Heute zeigen sich zum ersten Mal w├Ąhrend unserer Reise dichte Wolken. Wir starten mit Sandwiches in den Tag und machen uns dann auf, den Fundort der Venus von Milos zu erkunden, der oberhalb von Klima zu finden ist. Auf dem Weg passieren wir schmale Gassen und einen Platz, wo Fahrbahnmarkierungen neu gesetzt werden.

Der Fundort liegt nah an einem antiken Theater mit herrlichem Blick ├╝ber das Meer. Die Venus kommt schlicht und elegant daher, soll einst innerhalb einer kleinen H├Âhle oder Felsnische gefunden worden sein. Eine Nachbildung thront nun herrschaftlich ├╝ber dem Theater und dem Meer.

Wir besichtigen das Theater, das begehbar ist und im Sommer wohl noch immer f├╝r Konzerte und Vortr├Ąge genutzt wird. Wir platzieren uns in den R├Ąngen, w├Ąhrend unsere Tochter eine kleine Vorstellung gibt. Wunderbar.

Sodann fahren wir ├╝ber steile Pisten weiter nach Firopotamos, ein winziges Fischerdorf mit ein paar antiken Ruinen und herrlicher K├╝stenlandschaft. Zwischen Felsen eingeklemmt liegt eine sch├Âne kleine Kirche. Weiter geht es nach Adamas, wo wir bummeln und neue Kopfh├Ârer f├╝r die Tochter erstehen. Im ersten Laden finden wir zwei rauchende Griechinnen vor, der Laden stinkt unfassbar. Direkt nebenan werden wir dann aber f├╝ndig. Noch ein paar Andenken im nahen Souvenirshop und ein Abstecher in die Apotheke, wo neues Antibiotika f├╝r unsere Tochter eingetroffen ist. Ihre Ohren haben sich zwar schon gebessert, m├╝ssen aber weiterhin mit entsprechender Tinktur behandelt werden. Dann eine Kugel Eis mit Blick ├╝ber den Hafen.

Heute Mittag speisen wir in der Taverne O! Hamos!, die wir von Freunden empfohlen bekommen haben. Sie erweist sich als Volltreffer – wahrscheinlich unsere leckerste Mahlzeit dieses Urlaubs. K├Âstliche frittierte Auberginen, K├Ąseauflauf, Schweinebraten, Pommes, Brot, Salat, Couscous. Alles sehr gelungen und fabelhaft.

Nach einer Mittagspause gehen wir es ruhig an. Am Abend leider dichte Wolken, keine Chance auf einen sch├Ânen Sonnenuntergang. Wir spielen Phase 10 – ich verliere haushoch.

Tag 14 // 27.10.2023 – Sarakiniko

Die Sonne meldet sich mit beeindruckenden Farben zur├╝ck. Ich sitze staunend auf dem Balkon und genie├če das herrliche Panorama an diesem wundervollen Ort. Wir fr├╝hst├╝cken Toast mit Schmelzk├Ąse – anderer K├Ąse war in dem kleinen Supermarkt mit den unfreundlichen Menschen nicht zu bekommen. Die Unfreundlichkeit gleichen sie immerhin mit viel zu hohen Preisen aus. Schmeckt trotzdem.

Heute fahren wir zum Sarakiniko Beach, der uns mit unwirklich sch├Âner Kulisse empf├Ąngt. Strahlend wei├če Kreidefelsen, geformt zu Skulpturen und Schluchten. Darin liegt tief eingeschnitten ein schmaler Strand. Wundersch├Ân.

Das Wasser ist vorne getr├╝bt von Sedimenten, wird aber in einiger Entfernung vom Strand glasklar und tief. Dort schnorchle ich entlang, sehe zahlreiche Brassen und Barsche – und sogar eine Mor├Ąne! Sie schl├Ąngelt sich in etwa 10 Metern tiefe schlangen├Ąhnlich durch eine schroffe Felslandschaft. Beeindruckend, und meine erste Sichtung dieser Art! In Anbetracht der Tatsache, dass die griechischen Gew├Ąsser sonst fast frei von Fischen sind, wegen jahrzehntelanger ├ťberfischung, freut mich dieser Anblick sehr.

Um die Ecke, einem glatten Kreide-Pfad folgend, wird von Klippen in das Wasser gesprungen. Ein kleines, nat├╝rliches Becken dient anschlie├čend als Ausstieg. Jemand macht einen R├╝ckw├Ąrtssalto von der h├Âchsten Stelle. Krasse Aktion!

Wir chillen und baden stundenlang und beobachten zwei Katzen, die hier zu wohnen scheinen.

Anschlie├čend ein Abstecher nach Mandrakia – ein zauberhaftes kleines Fischerdorf, wo ein ganzes Sysytem von bunten Treppen und Stufen hinunter zu den kleinen Fischerbooten f├╝hrt, die heute ungenutzt in den sanften Wellen schaukeln. Sehr h├╝bsch.

Auf dem R├╝ckweg halten wir nat├╝rlich in Adamas an unserem Stamm-Imbiss und g├Ânnen uns Gyros-Pita. Hier erwartet uns heute eine andere Bedienung. Sie scheint alle Bestellungen aus Prinzip zum Mitnehmen einzupacken. Die M├╝lleimer quellen ├╝ber vor Verpackungen und M├╝ll. Diese Take-Away Mentalit├Ąt scheint nicht jedem zu gefallen – ein w├╝tender Grieche schmei├čt das gute Souvlaki wutentbrannt in den Eingang. Dem anschlie├čenden Wortgefecht k├Ânnen wir leider nicht folgen – aber die Gem├╝ter beruhigen sich bald wieder, der Grieche entschwindet im n├Ąchsten Eingang beim B├Ącker.

Der beste B├Ącker am Ort hat ├╝brigens gleich gegen├╝ber des Imbisses seinen Sitz. Wir decken uns hier mit gef├╝llten Teigtaschen und Wei├čbrot ein.

Ausgedehnte Mittagspause in unserer Suite, wo au├čerdem wieder Donuts, Kaffee und Croissants auf uns warten – Stella sorgt immer f├╝r Snacks, die unten im Eingangsbereich zum Mitnehmen positioniert sind. Ein herrliches Leben.

Am Abend brechen wir nochmal auf, denn wir wollen den Sonnenuntergang anschauen, den man von Plaka / Kastro aus besonders gut sehen soll. Wir m├╝ssen lange hinter einem Schwertransporter herschleichen, bis wir schlie├člich parken k├Ânnen und uns zu Fu├č auf den Weg zum Kastro machen. Schmale Gassen, jedoch insgesamt eher ungepflegt.

Der Sonnenuntergang ist gro├čartig. Auf der rechten Seite erstreckt sich die Insel, dahinter kleinere Eilande, teils von Nebel umgeben. Links ein schroffer H├Âhenzug, der von dichten Wolken umgeben ist. Pr├Ąchtige Farben. Ich komme f├╝r den Tag auf knapp 1000 Fotos.

Zur├╝ck in der Suite kalter Wein, Spaghetti und Phase 10 – heute gewinne ich!

Tag 15 // 28.10.2023 – Der S├╝den von Milos und Tsigrado Beach

Und schon bricht er an, der letzte volle Tag auf Milos. Wie ├╝blich sitze ich bei Kaffee auf dem Balkon und genie├če das Panorama. Wir g├Ânnen uns heute das Hotelfr├╝hst├╝ck mit frisch gepresstem Saft, kaltem Cappuccino auf Eis und allerlei K├Âstlichkeiten – von Oliven ├╝ber Tomaten bis hin zu griechischem Joghurt. Die volle Vitamin-Dosis!

Wir fahren heute in den S├╝den der Insel, den wir bislang noch nicht erkundet haben. Unser Ziel sind die Str├Ąnde Fyriplaka und Tsigrado. Wir w├Ąhlen eine etwas abgelegene Route und fahren durch die Bergbau-Region. Die Bagger schlagen Wunden in die Berge und transportieren die leuchtend roten Mineralien ab. Die Griechen scheinen hier ihre eigene Insel abzutragen – Terrassen und steile Pisten.

Im S├╝den fahren wir dann durch gr├╝ne T├Ąler, bis wir ├╝ber eine bemerkenswert gut ausgebaute Stra├če den Parkplatz erreichen. Hier gibt es sogar eine Bushaltestelle. Wir k├Ânnten auch noch weiter hinunter fahren, aber die Piste erscheint uns zu sandig, wir wollen uns nicht festfahren. Wir folgen also den Schildern in Richtung Fyriplaka Strand, die mitten durch die Brandung zwischen Felsen am Ufer weisen. Barfu├č balancieren wir den steinigen Sp├╝lsaum entlang. Wir klettern ├╝ber die niedrige Mauer eines v├Âllig deplatzierten Hauses und k├Ânnen den Strand nun voll ├╝berblicken: Ein schmaler Sandstreifen vor einer steilen Felswand, die wenig vertrauenserweckend und eher br├Âckelig aussieht. Ein m├Ąchtiger Felsen thront in etwa 200 Metern Entfernung und teilt den Strand in zwei H├Ąlften.

M├Ąchtige Wellen tosen an den Strand. In der Ferne bunte Felsen. Dann aber ein trauriger Anblick: Eine riesige Schildkr├Âte liegt auf dem R├╝cken im Sand, wurde offenbar hier angesp├╝lt. Keine offensichtlichen Verletzungen, aber sie scheint schon eine Weile hier zu liegen. Selbst in diesem Zustand strahlt sie noch etwas majest├Ątisches aus. Das stimmt nachdenklich. Auch in diesem Urlaub sind wir mit einem wie leergefegten Mittelmeer und tonnenweise Plastikm├╝ll im Wasser und an den Str├Ąnden konfrontiert. Ein Jammer. Ich beschlie├če, mich nach dem Urlaub irgendwie f├╝r den Schutz der Meere zu engagieren.

Wir baden in den m├Ąchtigen Wellen und sonnen uns am Strand, der keinerlei Schatten bereith├Ąlt. Bald wird es uns tats├Ąchlich zu hei├č und wir treten den R├╝ckzug an. Wir machen noch einen schwei├čtreibenden Abstecher zum Tsigrado Beach, der erklettert werden m├Âchte. Ein Seil und eine Leiter f├╝hren durch eine enge Schlucht in die Tiefe. Unten funkelt das t├╝rkise Wasser, das einen steinigen, schmalen Strand umsp├╝lt. Tolle Aussicht!

Wir halten noch in Adamas und schmausen eine Abschiedspita. Der Ort ist heute voller Menschen, die Restaurants sind voll – der Ochi Tag wird gefeiert. Von Stella haben wir geh├Ârt, dass die offiziellen Feierlichkeiten prim├Ąr durch die Schulen getrieben werden. Sie hat zwei Enkel, die an einem Monument kultische Handlungen durchf├╝hren werden.

Mittagspause. Anschlie├čend ein letztes Bad im Mittelmeer an unserem Hausstrand, der herrliches Wasser hat.

Am Abend zieht es uns nochmal zum Kastro. Ich setze die M├Ądels ab und fahre dann eine halsbrecherisch steile Stra├če zu einem versteckten Parkplatz empor. Funktioniert erstaunlich gut, nur f├╝r die letze steile Windung zu den Stellpl├Ątzen hin muss ich nochmal zur├╝cksetzen und Anlauf nehmen. Krasse Steigung.

Wir sehen einen tollen Sonnenuntergang, den wir heute vom h├Âchsten Punkt des Ortes Kastro bestaunen. Auf der anderen Seite zieht ein perfekter Vollmond auf. Begehrter Fotoplatz, 2 Jungs mit gro├čer Drohne (Air 2?) sorgen f├╝r Aufmerksamkeit.

Abendessen holen wir uns beim eben erw├Ąhnten besten B├Ącker und essen bei uns auf dem Balkon. Dann schaue ich mir die Mondfinsternis an. Gegen 21.30 Uhr ist tats├Ąchlich die untere H├Ąlfte des Mondes teilweise vom Erdschatten verdeckt. Dann sichte ich noch einen beeindruckenden Meteoriten, der ├╝ber der Nachbarinsel Kimolos niedergeht. Wow!

Tag 15 // 28.10.2023 – Zur├╝ck nach Athen: Inselhopping

Heute steht die R├╝ckreise nach Athen auf dem Plan. Der Morgen nach der n├Ąchtlichen Zeitumstellung beginnt mit einem fabelhaften Sonnenaufgang, der den ganzen Himmel gl├╝hen l├Ąsst – und viel Zeit auf dem Balkon. Da schmeckt der Kaffee gleich doppelt gut. Wir essen Sandwiches, Feta und Tomaten. Stella bringt uns noch Croissants und griechische Spinat-Kuchen.

Ich brauche lange, bis ich mich von dieser Suite, diesem Blick, diesem herrlichen Ort l├Âsen kann.

Die R├╝ckgabe des Autos verl├Ąuft problemlos. Der kleine Opel Corsa hat uns f├╝r knapp 10 ÔéČ am Tag sehr zuverl├Ąssig ├╝ber die Insel getragen. Wir kehren auf einen Kaffee im Hafen ein, beobachten das Treiben am F├Ąhranleger. Unsere Zante Ferry kommt mit 15 Minuten Versp├Ątung an. Wir richten uns zun├Ąchst auf dem hinteren Deck an – aber das Umfeld ist schwer ertr├Ąglich. Wir sitzen in einer Wolke aus Ru├č, Schwer├Âl und billigem Schiffsdiesel. Dann setzt sich auch noch ein kettenrauchender Grieche direkt neben uns. Wir fl├╝chten auf das vordere Deck. Hier ist die Luft bedeutend angenehmer – daf├╝r ist es windig. Aber wir haben herrliche Sicht auf das Meer und die Inseln. Die Fahrt dauert 7 Stunden lang und zieht sich – die Zwischenstopps auf den Inseln bieten willkommene Abwechslung. Wir legen nochmal auf Sifnos und auf Serifos an, k├Ânnen den kleinen Eilanden nochmal Auf Wiedersehen sagen.

Wir kommen mit einem kanadischen P├Ąrchen in’s Gespr├Ąch, die w├Ąhrend der Wintermonate seit Jahren nach Europa und Griechenland fl├╝chten – im Sommer haben sie ein gut gehendes Gesch├Ąft in Kanada.

Schlie├člich funkeln Attika und dann Athen am Horizont. Au Revoir, Kykladen!

Inselheld

Inselfan und Autor dieser Insel-Seite. Jede freie Minute wird der sch├Ânsten Nebensache der Welt gewidmet - der Erkundung der sch├Ânsten Inseln.

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